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12 (1898) Vermischte Schriften
Entstehung
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50 Vermischte Schriften.

Ich war damals der Meinung, die Lächerlichkeit des Donqnixo-tismus bestehe darin, daß der edle Ritter eine längst abgelebte Ver-gangenheit ins Leben zurückrufen wollte, und seine armen Glieder,namentlich sein Rücken, mit den Thatsachen der Gegenwart in schmerz-liche Reibungen gerieten. Ach, ich habe seitdem erfahren, daß es eineebenso undankbare Tollheit ist, wenn man die Zukunft allzu früh-zeitig in die Gegenwart einführen will, und bei solchem Ankampfgegen die schweren Interessen des Tages nur einen sehr magerenKlepper, eine sehr morsche Rüstung und einen ebenso gebrechlichenKörper besitzt! Wie über jenen, so auch über diesen Donguixotismusschüttelt der Weise sein vernünftiges Haupt. Aber Dulcinca vonToboso ist dennoch das schönste Weib der Welt; obgleich ich elend zuBoden liege, nehme ich dennoch diese Behauptung nimmermehr zurück,ich kann nicht anders, stoßt zu mit euren Lanzen, ihr silbernenBcondritter, ihr verkappten Barbiergescllen!

Welcher Grundgedanke leitete den großen Cervantes, als er seingroßes Buch schrieb? Beabsichtigte er nur den Ruin der Ritter-romane, deren Lektüre zu seiner Zeit in Spanien so stark grassierte,daß geistliche und weltliche Verordnungen dagegen unmächtig waren?Oder wollte er alle Erscheinungen der menschlichen Begeisterung über-haupt und zunächst das Heldentum der Schwcrtführer ins Lächerlicheziehen? Offenbar bezweckte er nur eine Satire gegen die erwähntenRomane, die er durch Beleuchtung ihrer Absurditäten dem allge-meinen Gespötte und also dem Untergange überliefern wollte. Diesesgelang ihm auch aus? glänzendste; denn was weder die Ermahnungender Kanzel, noch die Drohungen der Kanzlei bewerkstelligen konnten,das erwirkte ein armer Schriftsteller mit seiner Feder; er richtetedie Ritterromane so gründlich zu Grunde, daß bald nach dem Er-scheinen des Don Qnixvte der Geschmack für jene Bücher in ganzSpanien erlosch, und auch keins derselben mehr gedruckt ward. Aberdie Feder des Genius ist immer größer als er selber, sie reicht immerweit hinaus über seine zeitlichen Absichten, und ohne daß er sichdessen klar bewußt wurde, schrieb Cervantes die größte Satire gegendie menschliche Begeisterung. Nimmermehr ahnte er dieses, er selber,der Held, welcher den größten Teil seines Lebens in ritterlichenKämpfen zugebracht hatte und im späten Alter sich noch oft darüberfreute, daß er in der Schlacht bei Lepantv mitgefochtcn, obgleich erdiesen Ruhm mit dem Verluste seiner linken Hand bezahlt hatte.

Über Person und Lebensverhältnisse des Dichters, der den DonQuixote geschrieben, weiß der Biograph nur weniges zu melden.Wir verlieren nicht viel durch solchen Mangel an Notizen, die ge-wöhnlich bei den Frau Basen der Nachbarschaft aufgegabelt werden.Diese sehen ja nur die Hülle; wir aber sehen den Mann selbst, seinewahre, treue, verleumdete Gestalt.