Einleitung zur Prachtausgabe des „Don Qnixote". 47
fast verhöhnend kicherte und lachte. Allerlei Fabelgetier huschteschattenhaft durch die Büsche. Mitunter freilich zwitscherte auchmancher harmlose Zeisig, und nickte aus den breitblättrigen Schling-pflanzen manch' stille schöne Blume. Der junge Fant. aber, immerweiter vordringend, rief endlich mit Übertrotz: „Wann erscheint dennder Kämpe, der mich besiegen kann?" Da kam. nicht eben rüstig,aber doch nicht allzu schlotterig, herangezogen ein langer, magererRitter mit geschlossenem Visier, und stellte sich zum Kampfe. SeinHclmbusch war geknickt, sein Harnisch war eher verwittert als schlecht,sein Schwert war schartig, aber vom besten Stahl, und sein Armwar stark. Ich weiß nicht, wie lange die beiden miteinander fochten,doch es mag wohl gerauine Zeit gedauert haben, denn die Blätterfielen unterdessen von den Bäumen, und diese standen lange kahl undfrierend, und dann knospetcn sie wieder aufs neue und grünten imSonnenschein, und so wechselten die Jahreszeiten — ohne daß sie esmerkten, die beiden Kämpfer, die beständig aufeinander loshieben,anfangs unbarmherzig wild, später minder heftig, dann sogar etwasphlegmatisch, bis sie endlich ganz und gar die Schwerter sinken ließenund erschöpft ihre Helmgitter aufschlössen. — Das gemährte einen be-trübenden Anblick! Der eine Ritter, der herausgeforderte Kämpe,war ein Toter, und aus dem geöffneten Visier grinste ein fleischloserSchädel. Der andere Ritter, der als junger Fant in den Wald gezogen, trug jetzt ein verfallen fahles Greisenantlitz und sein Haarwar schneeweiß. — Von den hohen Bäumen herab, wie verhöhnend,kicherte und lachte das gespenstisch weiße Gevögel.
Geschrieben zu Poris, im Wonnemond 18SS.
Einleitung zur Prachtausgabe des „Don Auixote".
(1837.)
„Leben und Thaten des scharfsinnigen Junkers Don Qnixotevon der Mancha, beschrieben von Miguel Cervantes de Saavedra",war das erste Buch, das ich gelesen habe, nachdem ich schon in einverständiges Kindesnlter getreten und des Bnchstabcnwesens einiger-maßen kundig war. Ich erinnere mich noch ganz genau jener kleinenZeit, wo ich mich eines frühen Morgens vom Hause wegstahl undnach dem Hvfgarten eilte, um dort ungestört den Don Quixote zulesen. Es war ein schöner Maitag, lauschend im stillen Morgenlichtclag der blühende Frühling und ließ sich loben von der Nachtigall,seiner süßen Schmeichlerin, und diese sang ihr Loblied so karessierend