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12 (1898) Vermischte Schriften
Entstehung
Seite
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Der Echwabcnspicgel. 45,

werden, er verdient, daß ihm Wolfgang Menzel mit der tapferenHand seinen schäbigsten Lorbeerkranz aufs Haupt drückt.

Indessen, ehrlich gestanden, ich rate ihm, sein Talent nicht be-deutender auszubilden. Es könnte ihn einst das Gelüste anwandeln,jenes edle Talent auch auf außerlitterarische Gegenstände anzuwenden.Es giebt Länder, wo dergleichen mit einem Halsband von Hanf be-lohnt wird. Ich sah zu Old-Bailey in London jemanden hängen,der ein falsches Citat unter einen Wechsel geschrieben hatte undder arme Schelm mochte es wohl aus Hunger gethan haben, nichtaus Büberei oder aus eitel Neid, oder gar um eine kleine LvbspendeimStuttgarter Litteraturblatt", ein litterarisches Trinkgeld, zu ver-dienen. Ich hatte deshalb Mitleid mit dem armen Schelm, bei dessenExekution sehr viele Zögerungen vorfielen. Es ist ein Irrtum, wennman glaubt, daß das Hängen in England so schnell von statten gehe.Die Zubereitungen datierten fast eine Viertelstunde. Ich ärgere michnoch heute, wenn ich daran denke, mit welcher Langsamkeit demarmen Menschen die Schlinge um den Hals gelegt und die weißeNachtmütze über die Augen gezogen wurde. Neben ihm standen seineFreunde, vielleicht die Genossen der Schule, wozu er gehörte, undharrten des Augenblicks, wo sie ihm den Liebesdienst erweisen konnten;dieser Liebesdienst besteht darin, daß sie den gehenkten Freund, umseine zuckende Todesqual abzukürzen, so stark als möglich an denBeinen ziehen.

Ich habe von Herrn Gustav Pfizer geredet, weil ich ihn bei Be-sprechung der schwäbischen Schule nicht füglich übergehen konnte.So viel darf ich versichern, daß ich in der Heiterkeit meines Herzensnicht den mindesten Unmut wider Herrn Pfizer empfinde. Im Gegen-teil, sollte ich je imstande sein, ihm einen Liebesdienst zu, erweisen,so werde ich ihm gewiß nicht lange zappeln lassen.

Und nun laß uns ernsthaft reden, lieber Leser; was

ich dir jetzt noch zu sagen habe, verträgt sich nicht mit dem scherzen-den Tone,' mit der leichtsinnig guten Laune, die mich beseelte, währendich diese Blätter, schrieb. Es liegt mir drückend etwas im Sinne,was ich nicht mit ganz freier Zunge zu erörtern vermag, und »vor-über dennoch das unzweideutigste Geständnis nötig wäre. Ich hegenämlich eine wahre Scheu, bei Gelegenheit - der schwäbischen Schuleauch von Ludwig Uhland zu sprechen, von dem großen Dichter, denich schier zu beleidigen fürchte, wenn ich seiner in so kläglicher Gesell-schaft gedenke. Und dennoch, da die erwähnten Dichterlinge denLudwig Uhland zu den Ihrigen zählen oder gar für ein Haupt ihrerGenossen ausgeben, so könnte man hier jedes Verschweigen seinesNamens als eine Unredlichkeit betrachten. Weit entfernt, an seinemWerte zu mäkeln, möchte ich vielmehr die Verehrung, die ich seinenDichtungen zolle, mit den volltönendsten Worten an den ö.ag geben.