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12 (1898) Vermischte Schriften
Entstehung
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Der Schwabenspiegcl. 43

lieber sterben, nlS diesen Zustand länger ertragen, und »m der Sacheein Ende zu machen, sei sie erbötig, statt ihres furchtsamen Gemahls,sich selber mit mir zu schlagen. Gehorsame Dienerin.

Als ich diesen Brief las, und in meiner Einfalt die offenbareMystifikation nicht gleich merkte, rief ich mit Begeisterung: EdlesWeib! würdige Schwäbin! würdig deiner Mütter, die einst zu Weins -berg ihre Männer huckepack trugen!

Die Weiber im Schwabenland scheinen überhaupt mehr Energiezu besitzen als ihre Männer, die nicht selten nur auf Geheiß ihrerEhehälften zum Schwerte greifen. Weiß ich doch eine schöne Schwäbin,die mir seit Jahren wütender als zwanzig Teufel den Krieg machtund mich mit unversöhnlicher Feindschaft verfolgt.

Ein Naturforscher hat ganz richtig die Bemerkung gemacht, daßim Sommer, besonders in den Hundstagen, weit mehr gegen michgeschrieben wird, als im Winter.

Daß es nicht die altpvetische Vornehmigkeit ist, welche mich davonabhält, dergleichen Angriffe zu besprechen, habe ich bereits an einemandern Ort erwähnt. Einesteils liegt mir ein gewisser Knebel imMunde, sobald ich mich gegen Anschuldigung von Jmmoralität oderirreligiöser Frivolität, oder gar politischer Jnkonsegnenz, durch Erörternng der letzten Gründe von all' meinem Dichten und Trachten,verteidigen wollte. Anderenteils befinde ich mich meinen Wider-sachern gegenüber in derselben Lage, die Freund Semilasso irgendwoin seiner afrikanischen Neisebeschreibung mit der richtigen Empfindungerwähnt. Er erzählt uns nämlich, daß, als er in einem Beduineu-lagcr übernachtete, rings um sein Zelt eine große Menge Hunde un-aufhörlich bellten und heulten und winselten, was ihn aber amSchlafen gar nicht gehindert habe? ,,wär' es nur ein einziger Kläffergewesen," setzt er hinzu,so hätte ich die ganze Nacht kein Augezuthun können". Das ist es: weil der Kläffer so viele sind, undweil der Mops den Spitz, dieser wieder den gemütlichen Dachs, letztererdas edle Windspiel oder die fromme Dogge übcrbellt, und die schnödenLaute der verschiedenen Bestien im Gcsamtgchcul verloren gehen,kann mir ein ganzer Hnndclttrm wenig anhaben.

Nein, Herr Gustav Pfizer ebensowenig wie die andern hat mirjemals den Schlaf gekostet, und man darf es mir anfs Wort glauben,daß bei Erwähnung dieses Dichterlings auch nicht die mindeste Bitter-keit in meiner Seele waltet. Aber ich kann ihn, der Vollständigkeitwegen, nicht unerwähnt lassein die schwäbische Schule zählt ihn nämlichzu den Ihrigen, was mir sonderbar genug dünkt, da er im Gegensatze zu dieser Genossenschaft mehr als reflektierende Fledermaus,denn als gemütlicher Maiküfer umherflattert, und vielmehr nach derSchubartscheu Totengruft als nach Gelbvciglcin riecht. Mir wurdenmal seine Gedichte aus Stuttgart zugeschickt, und die freundlichen