ä2 Vermischte Schriften,
Geschrei: die Religion sei in Gefahr, die Pfeiler der Kirche brächenzusammen, Heinrich Heine richte das Christentum zu Grunde! Ichhabe herzlich lachen müssen, denn dieses Zetergeschrei erinnerte michan einen andern armen Sünder, der auf dein Marktplatz zu Lübeckmit Staupeuschlag und Brandmark abgestraft wurde, und plötzlich,als das rote Eisen seinen Rücken berührte, ein entsetzliches Mordioerhob und beständig schrie: „Feuer! Feuer! Es brennt, es brennt,die Kirche steht in Flammen!" Die alten Weiber erschraken auchdiesmal über solchen Feuerlärm, vernünftige Leute aber lachten undsprachen: „Der arme Schelm! nur sein eigener Rücken ist entzündet,die Kirche steht sicher aus ihrem alten Platze, auch hat dort die Polizei,aus Furcht vor Brandstiftung, noch einige Spritzen aufgestellt undaus frommer Vorsorge darf jetzt in der Nähe der Religion nichteinmal eine Cigarre geraucht werden!" Wahrlich, das Christentumward nie ängstlicher geschützt, als eben jetzt.
Bei dieser Gelegenheit kann ich nicht umhin, dem Gerüchte zuwidersprechen, als habe Herr Wvlfgang Menzel, auf Andrang seinerKollegen, sich endlich entschlossen, jene Großmut zu benutzen, womitich ihm gestattete, sich wenigstens von dem Vorwurf der PersönlichenFeigheit zu reinigen. Ehrlich gestanden, ich war immer darauf ge-faßt, daß mir Ort und Zeit anberaumt würde, wo der Ritter derVaterlandsliebe, des Glaubens und der Tugend sich bewähren wollein all' seiner Mannhaftigkeit, Aber leider bis auf diese Stundewartete ich vergebens, und die Witzlinge in deutschen Blättern mo-kierten sich obendrein über meine Leichtgläubigkeit, Spottvögclhaben sich sogar den Spaß erlaubt, mir im Namen der unglücklichenGattin deS Denunzianten einen Brief zu schreiben, worin die armeFrau sich über die häuslichen Nöten, die sie seit dem Erscheinenmeiner kleinen Schrift zu erdulden habe, schmerzlich beklagt. Jetztsei gar kein Auskommen mehr mit ihrem Manne, der zu Hausezeigen wolle, daß er ein Held sei. Die geringste Anspielung aufFeigheit brächte ihn zur Wut, Eines Abends habe er das kleineKind geprügelt, weil es „Häschen an der Wand" spielte. Jüngstsei er wie rasend aus der Stäudekammer gekommen und habe wieein Ajax getobt, weil dort alle Blicke ans ihn gerichtet gewesen, alsdie Gesetzfrage, „ob man jemanden ungestraft dem öffentlichen Ge-lächter preisgeben dürfe?" diskutiert wurde. Ein andermal habe erbitterlich geweint, als einer von den undankbaren Juden, die eremancipieren wolle, ihm ins Gesicht gemauschelt: „Sie sind doch keinPatriot, Sie thun nichts fürs Volk, Sie sind nicht der Alte, sonderndie Memme des Vaterlandes," Aber gar des Nachts beginne derrechte Jammer, und dann seufze er und wimmere und stöhne, daßsich ein Stein darob erbarmen könnte. Das sei nicht länger zumAushalten, schloß der angebliche Brief der armen Frau, sie wolle