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12 (1898) Vermischte Schriften
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40 Vermischte Schriften.

von Weinsberg über dieses Urteil den Kopf schütteln und mit Be-fremden mir entgegnen:Unser teurer Landsmann, Herr Justinns,ist freilich ein großer Narr, aber keineswegs der beste General derKavallerie!" Nnn, wie ihr wollt, ich will euch gern einräumen, daßer kein vorzüglicher Kavalleriegcncral ist.

Herr Karl Mayer, welcher auf Latein Llurolus Uar-nus heißt,ist ein anderer Dichter der schwäbischen Schule, und man versichert,daß er den Geist und den Charakter derselben am trencsten offen-bare; er ist eine matte Fliege und besingt Maikäfer. Er soll sehrberühmt sein in der ganzen Umgegend von Waiblingen, vor dessenThoren man ihm eine Statue sehen will, und zwar eine Statue vonHolz und in Lebensgroße. Dieses hölzerne Ebenbild des Sängerssoll alle Jahr mit Ölfarbe neu angestrichen werden, alle Jahr imFrühling, wenn die Gelbveiglein duften und die Maikäfer summen.Auf dem Piedestal wird die Inschrift zu lesen sein:Dieser Ortdarf nicht verunreinigt werden!"

Ein ganz ausgezeichneter Dichter der schwäbischen Schule, ver-sichert man mir, ist Herr ^ er sei erst kürzlich zum Bewußtsein,aber noch nicht zur Erscheinung gekommen; er habe nämlich seineGedichte noch nicht drucken lassen. Man sagt mir, er besinge nichtbloß Maikäfer, sondern sogar Lerchen und Wachteln, was gewiß sehrlöblich ist. Lerchen und Wachteln sind wahrhaftig wert, daß mansie besinge, nämlich wenn sie gebraten sind. Uber den Charakterund rcspektiven Wert der Aschen Dichtungen kann ich, solange sienoch nicht zur äußeren Erscheinung gekommen sind, gar kein Urteilfällen, ebensowenig wie über die Meisterwerke so vieler andern großenUnbekannten der schwäbischen Schule.

Die schwäbische Schule hat wohl gefühlt, daß es ihrem Ansehennicht schaden würde, wenn sie neben ihren großen Unbekannten, dieuns nur vermittelst eines Hydrv-Gasmikroskops sichtbar werden, aucheinige kleine Bekannte, einige Renommee», die nicht bloß in der um-friedeten Heimlichkeit schwäbischer Gauen, sondern auch im übrigenDeutschland einige Geltung erworben, zu den Ihrigen zählen könnte.Sie schrieben daher an den König Ludwig von Bayer», den gekröntenSänger, welcher aber absagen ließ. Übrigens ließ er sie freundlichgrüßen und schickte ihnen ein Prachtexemplar seiner Poesien mitGoldschnitt und Einband von rotem Maroquin-Papier. Hieraufwandten sich die Schwaben an den Hofrat Winkler, welcher unterdem Namen Theodor Hell seinen Dichterrnhni verbreitet hat; dieseraber antwortete, seine Stellung als Heransgeber derAbendzeitung"erlaube ihm nicht, sich in die schwäbische Schule aufnehmen zu lassen,dazu komme, daß er selber eine sächsische Schule stiften wolle, wozuer bereits eine bedeutende Anzahl poetischer Landsleute engagierthabe. In ähnlicher Weise haben auch einige berühmte Oberlau-