Der Schwabciispicgel. 3ö
sucht und verschmachten muß in der mystischen Wildnis? „Wir ver-stehen das nicht," antwortete man mir, „aber so viel können wirIhnen versichern, der Schclling gehört nicht zur schwäbischen Schule/'Gehört Hegel dazu, der Geistesweltnmseglcr, der unerschrocken vor-gedrungen bis zum Nordpol des Gedankens, wo einem das Gehirneinfriert im abstrakten Eis? . . . „Den kennen wir gar nicht."Gehört denn David Strauß dazu, der David mit der tödlichenSchleuder? . . . „Gott bewahre uns vor dem, den haben wir sogarexkommuniziert, und wollte der sich in die schwäbische Schule auf-nehmen lassen, so bekäme er geiviß lauter schwarze Kugeln."
Aber, um des Himmels willen — rief ich aus, nachdem ich fastalle großen Namen Schwabens aufgezahlt hatte und bis auf alteZeiten zurückgegangen war, bis auf Kepplcr, den großen Stern, derden ganzen Himmel verstanden, ja, bis auf die Hohenstaufen, die soherrlich auf Erden leuchteten, irdische Sonnen im deutschen Kaiser-mantel — wer gehört denn eigentlich zur schwäbischen Schule?
„Wohlan," antwortete man mir, „wir wollen Ihnen die Wahr-heit sagen: die Neuommeen, die Sie eben ausgezählt, sind vielmehreuropäisch als schwäbisch, sie sind gleichsam ausgewandert und habensich dem Auslände aufgedrungen, statt daß die Nenvmiueen derschwäbischen Schule jenen KvSmopolitiSmns verachten und hübschpatriotisch und gemütlich zu Hause bleiben bei den Gelbveiglein undMetzelsuppcn des teuren Schwabenlandes." — Und nun kam ichendlich dahinter, von welcher bescheidenen Größe jene Berühmtheitensind, die sich seitdem als schwäbische Schule aufgethan, in demselbenGedankenkreise uiuherhllpfen, sich mit denselben Gefühlen schmückenund auch Pfcifenguastcn von derselben Farbe tragen.
Der Bedeutendste von ihnen ist der evangelische Pastor GustavSchwab. Er ist ein Hering in Bergleichung mit den andern, dienur Sardellen sind; versteht sich, Sardellen ohne Salz. Er hat einigeschöne Lieder gedichtet, auch etwelche hübsche Balladen; freilich, miteinem Schiller, mit einem großen Walfisch, muß man ihn nicht ver-gleichen. Nach ihm kommt der Doktor Jnstiuus Kerner, welcher Geisterund vergiftete Blutwürste sieht, und einmal dem Publikum aufsernsthafteste erzählt hat, daß ein Paar Schuhe, ganz allein, ohnemenschliche Hilfe, langsam durch daS Zimmer gegangen sind bis zumBette der Seherin von Prcvorst. DaS fehlt noch, daß man seineStiefel deS Abends festbinden muß, damit sie einem nicht des Nachts,trapp! trapp! vors Bett kommen und mit lederner Gespcnsterstimmedie Gedichte deS Herrn Jnstiuus Kcrncr vordcklamieren! Letzteresind nicht ganz und gar schlecht, der Mann ist überhaupt nicht ohneVerdienst, und von ihm möchte ich dasselbe sagen, was Napoleonvon Murnt gesagt hat, nämlich: „Er ist ein großer Narr, aber derbeste General der Kavallerie." Ich sehe schon, wie sämtliche Insassen