Über den Denunzianten. 33
so wird Herr Menzel jetzt selber zur Litteratnr hinansgewiesen. ZumUnglück für ihn Hot das uüstdustige Geschäft so völlig seine Zeit ver-schlungen, daß er unterdessen gar nichts Neues gelernt hat. Wassoll er jetzt beginnen? Sein früheres Wissen war kaum hinreichendfür den littcrarischcn Hausbedarf; seine Unwissenheit war immer eineZielscheibe der Moqncrie für seine näheren Bekannten; nur seineIwan hatte eine große Meinung von seiner Gelehrsamkeit. Auchimponierte er ihr nicht wenig! Der Mangel an Kenntnissen unddas Bedürfnis, diesen Mangel zu verbergen, hat vielleicht die meistenIrrtümer oder Schelmereien des Herrn Menzel hervorgebracht. Hätteer Griechisch verstanden, so würde es ihm nie in den Sinn gekommensein, gegen Goethe aufzutreten. Zum Unglück war auch das Latei-nische nicht seine Sache, und er mußte sich mehr ans Germanischehalten und täglich stieg seine Neigung für die Dichter des deutschenMittelalters, für die edle Tnrnknnst und für Jakob Böhm, dessendeutscher Stil sehr schwer zu verstehen ist, und den er auch in wissen-schaftlicher Form herausgeben wollte.
Ich sage dieses nur, um die Keime und Ursprünge seiner Tcutv-manie nachzuweisen, nicht um ihn zu kränken; wie ich denn über-haupt, was ich wiederholen muß, nicht ans Groll oder Böswilligkeitihn bespreche. Sind meine Worte hart, so ist es nicht meine Schuld.Es gilt dem Publikum zu zeigen, welche Bewandtnis es hat mitjenem bramarbasierenden Helden der Nationalität, jenem Wächter desDeutschtums, der beständig auf die Franzosen schimpft und uns armeSchriftsteller des jungen Deutschland für lauter Franzosen undInden erklärt hat. Für Juden, das hätte nichts zu bedeuten; wirsuchen nicht die Allinnce des gemeinen Pöbels, und der Hvhergcbildeteweiß wohl, daß Leute, die man als Gegner des Deismus anklagte,keine Sympathie für die Synagoge hegen konnten; man wendet sichnicht an die überwelken Reize der Mutter, wenn einem die alterndeTochter nicht mehr behagt. Daß man uns aber als die FeindeDeutschlands, die das Vaterland an Frankreich verrieten, darstellenwollte, das war wieder ein ebenso feiges wie hinterlistiges Bubenstück.
Es sind vielleicht einige ehrliche Franzosenhasser unter dieserMeute, die uns ob unserer Sympathie für Frankreich so erbärmlichverkennen und so aberwitzig anklagen. Andere sind alte Rüden, dienoch immer bellen wie Anno 1813, und deren Gekläffe eben vonunserem Fortschritte zeugt. „Der Hund bellt, die Karawane mar-schiert," sagt der Beduine. Sie bellen weniger aus Bosheit, dennans Gewohnheit, wie der alte räudige Hofhund, der ebenfalls jedenFremden wütend anbelfert, gleichviel, ob dieser Böses oder GutcS imSinne führt. Die arme Bestie benutzt vielleicht diese Gelegenheit,um an ihrer Kette zu zerren und damit bedrohlich zu klirren, ohnedaß es ihr der Hausherr übelnehmen darf. Die meisten aber unterHeine's Werke. XII. Bd. 3