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12 (1898) Vermischte Schriften
Entstehung
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32
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32 Vermischte Schriften.

Interessen notwendig, daß ich es öffentlich aussprechet Herr Menzelist feige. Ich bin davon überzeugt. Will Herr Menzel mich vomGegenteile überzeugen, so will ich ihm gerne ans halbem Wege ent-gegenkommen. Oder wird er auch mir anbieten, mittelst der Drucker-Presse, durch Journale und Broschüren, mich gegen die Insinuationenzu verteidigen, die er seiner ersten Denunziation zu Grunde gelegt,die er seitdem noch fortgesetzt, und die er jetzt gewiß noch verdoppelnwird? Diese Ausflucht konnte damals gegen Herrn Gutzkow an-gewendet werden; denn damals war das bekannte Dekret des Bundes-tags noch nicht erschienen, und Herr Gutzkow ward auch seitdem vonder Schwere desselben nicht so sehr niedergehalten wie ich. Auchwaren in der Polemik desselben, da er Privatverlcnmdungen, An-griffe auf die Person, abzuwehren hatte, die Persönlichkeiten vor-herrschend. Ich aber hatte mehr die Verleumdung meines Geistes,meiner Gefühl- und Denkweise zu besprechen, und ich könnte michnicht verteidigen, ohne meine Ansichten von Religion und Moralunumwunden darzustellen; nur durch positive Bekenntnisse kann ichmich von den angeschuldigten Negationen, Atheismus und Jmmorn-litnt, vollständigst reinigen. Und ihr wißt, wie beschränkt das Feldist, das jetzt meine Feder beackern darf.

Wie gesagt, Herr Menzel hat mich nicht persönlich angegriffen,und ich habe wahrlich gegen ihn keinen persönlichen Groll. Wirwaren sogar ehemals gute Freunde, und er hat mich oft genug wissenlassen, wie sehr er mich liebe. Er hat mir nie vorgeworfen, daß ichein schlechter Dichter sei, und auch ich habe ihn gelobt. Ich hattemeine Freude an ihm, und ich lobte ihn in einem Journale, welchesdieses Lob nicht lange überlebte.*) Ich war damals ein kleiner Junge,und mein größter Spaß bestand darin, daß ich Flöhe unter einMikroskop setzte und die Größe derselben den Leuten demonstrierte.Herr Menzel hingegen setzte damals den Goethe unter ein VcrkleiucrungSglas, und das machte mir ebenfalls ein kindisches Vergnügen.Die Späße des Herrn Menzel mißfielen mir nicht; er war damalswitzig, und ohne just einen Hauptgedanken zn haben, eine Synthese,konnte er seine Einfälle sehr Pfiffig kombinieren und gruppieren, daßes manchmal aussah, als habe er keine losen Streckverse, sondernein Buch geschrieben. Er hatte auch einige wirkliche Verdienste umdie deutsche Litteratur; er stand vom Morgen bis Abend im Kote,mit dem Besen in der Hand, und fegte den Unrat, der sich in derdeutschen Litteratur angesammelt hatte. Durch dieses unreinlicheTagewerk aber ist er selber so schmierig und anrüchig geworden, daßman am Ende seine Nähe nicht mehr ertraget! konnte; wie man denLatrineufeger zur Thüre hinausweist, wenn sein Geschäft vollbracht,

») Bgl. den Aufsatz über W. MenzelsDeutsche Litteratur" in diesem Bande.

Der Herausgeber.