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12 (1898) Vermischte Schriften
Entstehung
Seite
31
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Über den Denunzianten, 31

durch allerlei Ncbcngründe, Der Franzose schlägt sich gut, wennsehr viele Zuschauer dabei sind, oder irgend eine seiner Lieblingsrnarotten, z, B, Freiheit und Gleichheit, Ruhm und dergleichen mehrauf dem Spiele steht. Die Russen haben sich gegen die Franzosensehr gut geschlagen, weil ihre Generäle ihnen versicherten, daß die-jenigen unter ihnen, welche auf deutschem oder französischem Bodensielen, unverzüglich hinten in Rußland wieder auferstünden; und umgeschwind wieder nach Hanse zu kommen, nach Juchtcnheim, stürztensie sich mutig in die französischen Bajonette; es ist nicht wahr, daßdamals bloß der Stock und der Branntwein sie begeistert habe. DieDeutschen aber sind tapfer ohne Nebengedanken, sie schlagen sich, umsich zu schlagen, wie sie trinken, um zu trinken. Der deutsche Soldatwird weder durch Eitelkeit, noch durch Ruhmsucht, noch durch Un-kenntnis der Gefahr in die Schlacht getrieben, er stellt sich ruhig inReihe und Glied und thut seine Pflicht, — kalt, unerschrocken/zu-verlässig, Ich spreche hier von der rohen Masse, nicht von der Eliteder Nation, die auf den Universitäten, jenen hohen Schulen zu Ehre,wenn auch selten in der Wissenschaft, doch desto öfter in den Ge-fühlen der Mnnneswürde die feinste Ausbildung erlangt hat. Ichhabe fast sieben Jahre stndicrcnshalber ans deutschen Universitätenzugebracht, und deutsche Schlaglicht wurde für mich ein so gewöhn-liches Schauspiel, daß ich an Feigheit kaum mehr glaubte. DieseSchlaglust fand ich besonders bei meinen speeiellen Landsleuten, denWestfalen, die von Herzen die gutmütigsten Kinder, aber bei vor-fallenden Mißverständnissen, den langen Wortwechsel nicht liebend,gewöhnlich geneigt sind, den Streit auf einem natürlichen, sozu-sagen freundschaftlichen Wege, nämlich durch die Entscheidung desSchwertes, schleunigst zu beendigen. Deshalb haben die Westfalenans den Universitäten immer die meisten Duelle, Herr Menzel aberist kein Wcstfale, ist kein Deutscher, Herr Menzel ist eine Memme,Als er mit den frechsten Worten die bürgerliche Ehre des HerrnGutzkow angetastet, die persönlichsten Verleumdungen gegen denselbenlosgegeifcrt, und der Beleidigte nach Sitte und Brauch deutscherJugend die geziemende Gcnugthnnng fordertet da griff der gcrina-nische Held zu der kläglichen Ausflucht, daß dem Herrn Gutzkow jadie Feder zu Gebote stände, daß er ja ebenfalls gegen ihn druckenlassen könne, was ihm beliebe, daß er ihm nicht im stillen Wald mitmateriellen Waffen, sondern öffentlich, ans dem Streitplatze derJournalistik, mit geistigen Waffen die geforderte Genugthnnng geben»verde , , , Und der germanische Held zog es vor, in seinem Klatsch-blatte wie ein altes Weib zu keifen, statt auf der Walsttttte derEhre wie ein Mann sich zu schlagen.

Es ist betrübsnm, es ist jammervoll, aber dennoch wahr, HerrMenzel ist feige. Ich sage es mit Wehmut, aber es ist für höhere