Zl) Vermischte Schriften.
Ich habe manchen Verständigen einen Esel geschalten, aber ich thates ans Haß. Niemals habe ich mich der Zweideutigkeit beflissen,ängstlich die Ereignisse abwartend, in der Politik wie im Privatleben,nnd gar niemals lag ineinen Worten ein erbärmlicher Eigennutz zuGrunde. Von der Menzclschcn Politik in der Politik darf ich hiernicht reden, wegen der Politik. Übrigens ist das öffentliche Lebendes Herrn Menzel sattsam bekannt, und jeder weiß, daß sein Be-tragen als wiirttembcrgischer Deputierter ebenso heuchlerisch wielächerlich. Über sein Privatschelmenlebcn kann ich, schon wegenMangel an Raum, ebenfalls nicht reden. Auch seiner litterarischcnGaunerstreiche will ich hier nicht erwähnen; es wäre zu langweilig,wenn ich ausführlich zeigen müßte, wie Herr Menzel, der ehrlicheMann, von den Autoren, die er kritisiert, ganz andere Dinge citiert,als in ihren Büchern stehen, wie er, statt der Originalwvrte, lautersinnvcrfälschcndc Synonyme liefert u. s. w. Nur die kleine humo-ristische Anekdote, wie nämlich Herr Menzel dem alten Baron Cottaseine „Deutsche Litteratur" zum Verlag anbot, kann ich des Spaßeswegen nicht unerwähnt lassen. Das Mannskript dieses Buches ent-hielt am Schlüsse die großartigsten Lobspriiche auf Cotta, die jedochkeineswegs denselben verleiteten, das geforderte Honorar dafür zubewilligen. Es schmeichelte aber immerhin den seligen Baron, sichmal recht tüchtig gelobt zu sehen, und alsbald darauf das Buch beiGebrüder Frankh herauskam, sprach er freudig zu seinem Sohne:„Georg, lies das Buch, darin werde ich mal nach Gebühr gelobt!"Georg aber fand, daß in dem Buche alle Lobspriiche ausgestrichenund im Gegenteil die derbsten Seitcnhicbe ans seinen Vater ein-geschaltet worden. Der Alte war zum Küssen liebenswürdig, wenner diese Anekdote erzählte.
lind noch eine Tugend giebt es bei den Germanen, die wir beiHerrn Menzel vermissen: die Tapferkeit. Herr Menzel ist feige.Ich sage dieses beileibe nicht, um ihn als Mensch herabzuwürdigen;man kann ein guter Bürger sein, und doch den Tabaksrauch mehrlieben als den Pulverdampf, und gegen bleierne Kugeln eine größereAbneigung empfinden als gegen schwäbische Mehlklöße; denn letzterekönnen zwar schwer im Magen lasten, sind aber lange nicht so un-verdaulich. Auch ist Morden eine Sünde, und gar das Duell! wirdes nicht aufs bestimmteste verboten durch die Religion, durch dieMoral und durch die Philosophie? Aber will man beständig mitdeutscher Nationalität bramarbasieren, will man für einen Heldendes Deutschtums gelten, so muß man tapfer sein, so muß man sichschlagen, sobald ein beleidigter Ehrenmann Genugthuuug fordert, somuß man mit dem Leben einstehen für das Wort, das man ge-sprochen. Das tapferste Volk sind die Deutschen. Auch andereVolker schlagen sich gut, aber ihre Schlachtlust wird immer unterstützt