Über den Denunzianten. 29
einen nützlichen Verbündeten, jedoch keineswegs als einen reinenStammgenassen betrachten. Wir aber sind keine altdeutsche Nnssen-niäkler, wir betrachten die ganze Menschheit als eine große Familie,deren Mitglieder ihren Wert nicht durch Hautfarbe und Knochenbau,sondern durch die Triebe ihrer Seele, durch ihre Handlungen offen-baren. Ich würde gern, wenn es Herrn Menzel Vergnügen inachte,ihm zugestehen, das; er ein makelloser Abkömmling Tcuts, wo nichtgar ein legitimer Enkel Hermanns und ThusneldenS sei, wenn nursein Inneres, sein Charakter, seine Handlungen eine solche Annahmerechtfertigen könnten; aber diese widersprechen seinem Germanentumcnoch iveit bedenklicher als sein Gesicht.
Die erste Tugend der Germanen ist eine gewisse Trene, einegewisse schwerfällige, aber rührend großmütige Treue. Der Deutscheschlägt sich selbst für die schlechteste Sache, wenn er einmal Handgeldempfangen, oder auch nur im Rausche seinen Beistand versprochen;er schlägt sich alsdann mit seufzendem Herzen, aber er schlägt sich;wie auch die bessere Überzeugung in seiner Brust murre, er kannsich doch nicht entschließen, die Fahne zu verlassen, und er verläßtsie am allerwenigsten, wenn seine Partei in Gefahr oder vielleichtgar von feindlicher Übermacht umzingelt ist . . . Daß er alsdann zuden Gegnern überliefe, ist weder dem deutschen Charakter angemessen,noch dem Charakter irgend eines anderen Volkes . . . Aber in diesen«Falle noch gar als Denunziant zu agieren, das kann nur ein Schurke.
Und auch eine gewisse Scham liegt im Wesen der Germanen;gegen den Schwächeren oder Wehrlosen wird er nimmermehr dasSchwert ziehen, und den Feind, der gebunden und geknebelt zuBoden liegt, wird er nicht antasten, bis derselbe seiner Bande ent-ledigt und wieder auf freien Füßen steht. Herr Menzel aber schwangseinen Flamberg am liebsten gegen Weiber, er hat sie zu Dutzendenniedergesäbelt, die deutschen Schriftstellerinnen, arme Wesen, die, umBrot für ihre Kinder zu erwerben, zur Feder gegriffen und derrohen öffentlichen Verspottung nichts als heimliche Thränen ent-gegensetzen konnten! Er hat gewiß uns Männern einen wichtigenDienst geleistet, indem er uns von der Konkurrenz der weiblichenSchriftsteller befreite, er hat vielleicht auch der Litteratur dadurchgenützt, aber ich möchte in einem solchen Feldzuge meine Sporennimmermehr erworben haben. Auch gegen Herrn Gutzkow, undwäre Gutzkow ein Vatermörder gewesen, hätte ich nicht meine Phi-lippika donnern mögen, während er im Kerker lag oder gar vorGericht stand. Und ich bin weit davon entfernt, ans alle germa-nischen Tugenden Anspruch zu machen, vielleicht am wenigsten aufeine gewisse Ehrlichkeit, die ebenfalls als ein besonderes Kennzeichendes Germanentums zu betrachten ist. Ich habe manchem Thorenins Gesicht gesagt, er sei ein Weiser, aber ich that es aus Höflichkeit.