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12 (1898) Vermischte Schriften
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28 Vermischte Schriften.

spielten, als er? Hat Herr Menzel seine linke Wange sanftmütighingehalten, als ihm der Buchhändler Frnnkh auf die rechte Wangeeine Ohrfeige oder schwäbisch zu sprechen, eine Maulschelle gegeben?Hat Herr Menzel Witwen und Waisen immer gut recensiert? Warer jemals ehrlich, war sein Wort immer Ja oder Nein? Wahrlichnein, nächst einer geladenen Pistole hat Herr Menzel nie etwas mehrgescheut als die Ehrlichkeit der Rede, er war innner ein zweideutigerDuckmäuser, halb Hase, halb Wetterfahne, grob und windig zu gleicherZeit, wie ein Polizeidiener. Hätte er in jenen ersten Jahrhundertengelebt, wo ein Christ mit seinem Blute Zeugnis geben mußte fürdie Wahrheit des Evangeliums, da wäre er wahrlich nicht als Ver-teidiger desselben aufgetreten, sondern vielmehr als der Anklägerderer, die sich zum Christentums bekannten, und die man damals desAtheismus und der Jmmoralität beschuldigte. Wohnte Herr Menzelin Peking statt in Stuttgart, so schriebe er jetzt vielleicht lange delatorische Artikel gegen „das junge China", welches, wie aus denjüngsten Dekreten der chinesischen Regierung hervorgeht, eine Rottevon Bösewichtern zu sein scheint, die durch Schrift und Wort dasChristentum verbreiten, und deshalb von den Mandarinen des himm-lischen Reiches für die gefährlichsten Feinde der bürgerlichen Ord-nung und der Moral erklärt werden.

Ja, nächst der Religion ist es die Moral, für deren lintergangHerr Menzel zittert. Ist er vielleicht wirklich so tugendhaft, der un-erbittliche Sittenwart von Stuttgart? Eine gewisse physische Moralität will ich Herrn Menzel keineswegs absprechen. Es ist schwer,in Stuttgart nicht moralisch zu sein. In Paris ist es schon leichter,das weiß Gott! Es ist eine eigne Sache mit dem Laster. Die Tugend kann jeder allein üben, er hat niemand dazu nötig als sichselber; zu dem Laster aber gehören immer zwei. Auch wird HerrMenzel von seinem Äußern anfs glänzendste unterstützt, wenn erdaS Laster fliehen will. Ich habe eine zu vorteilhafte Meinung vondem gutem Geschmacke des Lasters, als daß ich glauben dürfte, eswürde jemals einem Menzel nachlaufen. Der arme Goethe war nichtso glücklich begabt, und es war ihm nicht vergönnt, immer tagendhaft^ zu bleiben. Die schwäbische Schule sollte ihrem nächsten Musen-almanach das Bildnis des Herrn Menzel voransetzen; es wäre sehrbclehrsam. Das Publikum würde gleich bemerken' er sieht gar nichtaus wie Goethe, lind mit noch größerer Verwunderung würde manbemerken: dieser Held des Deutschtums, dieser Vorkämpe des Germanismus, sieht gar nicht ans wie ein Deutscher, sondern wie einMongole . . . jeder Backenknochen ein Kalmück!

Dieses ist nun freilich verdrießlich für einen Mann, der be-ständig auf Nationalität pocht, gegen alles Fremdländische unauf-hörlich loszieht und unter lauter Tcntomancn lebt, die ihn nur als