Über den DemmMiltcii, 27
Ich lasse es dahingestellt sein, ob es das Talent oder das Blattwar, wodurch die Stimme deS Herrn Menzel so weitreichend gewesen,daß seine Denunziation so betrübsam wirken konnte, daß beschäftigteStaatsmänner, die eher Litteraturblätter als Bücher lesen, ihm aufsWort glaubten. So viel weiß ich, sein Wort mußte um so lautererschallen, je ängstlichere Stille damals in Deutschland herrschte , , ,Die Stimmführer der Bewegungspartei hielten sich in einem klugenSchweigen versteckt, oder saßen in wohlvergittertem Gewahrsam, undharrten ihres Urteils, vielleicht des Todesurteils . , , Höchstens hörteman manchmal daS Schluchzen einer Mutter, deren Kind in Frankfurtdie Konstablcrwnche mit dem Bajonette eingenommen hatte und nichtmehr hinaus konnte, ein Staatsverbrechen, welches gewiß ebenso un-besonnen wie strafwürdig war und den feinöhrigsten Argwohn derRegierungen überall rechtfertigte . , , Herr Menzel hatte sehr gutseine Zeit gewählt zur Denunziation jener großen Verschwörung, dieunter dem Namen: „Das junge Deutschland", gegen Thron undAltar gerichtet ist und in dem Schreiber dieser Blätter ihr gefähr-lichstes Oberhaupt verehrt.
Sonderbar! Und innner ist es die Religion, und immer dieMoral, und immer der Patriotismus, womit alle schlechten Subjekteihre Angriffe beschönigen! Sie greifen uns an, nicht aus schäbigenPrivatinteressen, nicht aus Schriftstellcrneid, nicht aus angeboreneinKnechtsinn, sondern um den lieben Gott, um die guten Sitten unddaS Vaterland zu retten, Herr Menzel, welcher jahrelang, währender mit Herrn Gutzkow befreundet war, mit kummervollem Still-schweigen zugesehen, wie die Religion in Lebensgefahr schwebte, gelangtplötzlich zur Erkenntnis, daß das Christentum rettungslos verlorensei, wenn er nicht schleunigst das Schwert ergreift und dem Gutzkowvon hinten ins Herz stößt. Um das Christentum selber zu retten,muß er freilich ein bißchen unchristlich handeln; doch die Engel imHimmel und die Frommen auf der Erde werden ihm die kleinenVerleumdungen und sonstigen Hausmittelchen, die der Zweck heiligt,gern zu gute halten.
Wenn einst das Christentum wirklich zu Grunde ginge svorwelchem Unglück uns die ewigen Götter bewahren wollen!), so würdenes wahrlich nicht seine Gegner sein, denen man die Schuld davonzuschreiben müßte. Auf jeden Fall hat sich unser Herr und Heiland,Jesus Christus, nicht bei Herrn Menzel und dessen bayrischen Kreuz-brüdern zu bedanken, wenn seine Kirche auf ihrem Felsen stehenbleibt! Und ist Herr Menzel wirklich ein guter Christ, ein bessererChrist als Gutzkow und das sonstige junge Deutschland? Glaubt eralles, was in der Bibel steht? Hat er immer die Lehren des Berg-predigers strenge befolgt? Hat er immer seinen Feinden verziehen,nämlich allen denen, die in der Litteratur eine glänzendere Rolle