24 Vermischte Schriften.
dermalen umgicbt, für einige Stunden zu vergessen. Das Gedicht,welches am Schlüsse des Buches^), habe ich selber verfaßt, und ichdenke, es wird meinen Feinden viel Vergnügen machen; ich habe keinbesseres geben können. Die Zeit der Gedichte ist überhaupt bei mirzu Ende, ich kann wahrhaftig kein gutes Gedicht mehr zu Tage för-dern, und die Kleindichter in Schwaben, statt mir zu grollen, solltensie mich vielmehr brüderlichst in ihre Schule aufnehmen . . Daswird auch wohl das Ende des Spaßes sein, daß ich in der schwä-bischen Dichtcrschule, mit Fallhütchen auf dem Kopf, neben den an-dern auf das kleine Bänkchen zu sitzen komme und das schöne Wetterbesinge, die Frühlingssonne, die Maienwonne, die Gelbveiglcin unddie Qnetschcnbänme. Ich hatte längst eingesehen, daß es mit denVersen nicht mehr recht vorwärts ging, und deshalb verlegte ich michauf gute Prosa. Da man aber in der Prosa nicht ausreicht mitdem schönen Wetter, Frühlingssonne, Maienwonne, Gelbveiglein undQuetschcnbäumen, so mußte ich auch für die neue Form einen neuenStoff suchen; dadurch geriet ich ans die unglückliche Idee, mich mitIdeen zu beschäftigen, und ich dachte nach über die innere Bedeutungder Erscheinungen, über die letzten Gründe der Dinge, über die Vestimmung des Menschengeschlechts, über die Mittel, wie man dieLeute besser und glücklicher machen kann n. s. w. Die Begeisterung,die ich von Natur für diese Stoffe einPfand, erleichterte mir ihreBehandlung, und ich konnte bald in einer äußerst schönen, vortreff-lichen Prosa meine Gedanken darstellen . . . Aber ach! Als ich esendlich im Schreiben so weit gebracht hatte, da ward mir das Schreibenselber verboten. Ihr kennt den Bundestagsbeschluß vom Dezember1835, wodurch meine ganze Schriftsteller« mit dem Interdikte belegtward. Ich weinte wie ein Kind! Ich hatte mir so viel Mühe ge-geben mit der deutschen Sprache, mit dem Nccnsativ und Dativ, ichwußte die Worte so schön aneinander zu reihen, wie Perl an Perl,ich fand schon Vergnügen an dieser Beschäftigung, sie verkürzte mirdie langen Winterabende des Exils, ja, wenn ich deutsch schrieb, sokonnte ich mir einbilden, ich sei in der Heimat bei der Mutter . . .lind nun ward mir das Schreiben verboten! Ich war sehr weich ge-stimmt, als ich an den Bundestag jene Bittschrift schrieb, die ihrebenfalls kennt, und die von manchem unter euch als gar zu untcr-thänig getadelt worden. Meine Konsulentcn, deren Responsa ich beidiesem Ereignisse einholte, waren alle der Meinung, ich müsse eingroß Spektakel erheben, große Memoiren anfertigen, darin beweisen i„daß hier ein Eingriff in Eigentumsrechte stattfände, daß man mirnur durch richterlichen Urteilsspruch die Ausbeutung meiner Besitztümer, meiner schriftstellerischen Fähigkeiten, untersagen könne, daß
») Das Taunhäuserlied, abgedruckt in den ..Neuen Gedichten".
Der Herausgeber.