Vorrede zum ersten Baude des Salon. 21
Narren erblickte, die aus dem Patriotismus ordentlich ihr Handwerkgemacht, und sich auch eine angemessene Handwerkstracht zugelegtund sich wirklich in Meister, Gesellen und Lehrlinge eingeteilt, undihre Zunftgrüße hatten, womit sie im Laude fechten gingen. Ichsage „Fechten" im schmutzigsten Knotcnsinue; denn das eigentlicheFechten mit dem Schwerte gehörte nicht zu ihren Handwerksbrüuchen,Vater Jahn, der Hcrbergvatcr Jahn, war im Kriege, wie männiglichbekannt, ebenso feige wie albern. Gleich dem Meister, waren auchdie meisten Gesellen nur gemeine Naturen, schmierige Heuchler, derenGrobheit nicht einmal echt war, Sie wußten silsi- gut, daß deutscheEinfalt noch immer die Grobheit für ein Kennzeichen des Mute?und der Ehrlichkeit ansieht, obgleich ein Blick in unsere Zuchthäuserhinlänglich belehrt, daß es auch grobe Schurken und grobe Memmengiebt. In Frankreich ist der Mut höflich und gesittet, und die Ehr-lichkeit trägt Handschuhe und zieht den Hut ab. In Frankreich be-steht auch der Patriotismus in der Liebe für ein Geburtsland,welches auch zugleich die Heimat der Civilisation und des humanenFortschritts. Obgcdachter deutscher Patriotismus hingegen bestandin einem Hasse gegen die Franzosen, in einem Hasse gegen Civilisation und Liberalismus, Nicht wahr, ich bin kein Patriot, dennich lobe Frankreich?
Es ist eine eigene Sache mit dem Patriotismus, mit der wirk-lichen Vaterlandsliebe, Man kann sein Baterland lieben und achtzigJahre dabei alt werden, und es nie gewußt haben; aber mau mußdann auch zu Hause geblieben sein, DaS Wesen des Frühlings er-kennt man erst im Winter, und hinter dem Ofen dichtet mau diebesten Mäilieder, Die Frciheitsliebe ist eine Kerkerblume, und erstim Gefängnisse fühlt man den Wert der Freiheit, So beginnt diedeutsche Vaterlandsliebe erst an der deutschen Grenze, vornehmlichaber beim Anblick deutschen Unglücks in der Fremde, In einemBuche, welches mir eben zur Hand liegt und die Briefe einer verstorbencn Freundin enthält, erschütterte mich gestern die Stelle, wosie in der Fremde den Eindruck beschreibt, den der Anblick ihrerLaudslcute im Kriege 1813 in ihr hervorbrachte. Ich will die liebenWorte hierher setzen t
„Den ganzen Morgen Hab' ich häufige, bittere Thräncn derRührung und Kränkung geweint! O, ich habe es nie gewußt, daßich mein Land so liebe! Wie einer, der durch Physik den Wertdes Blutes etwa nicht kennt; — wenn man's ihm abzieht, wird erdoch hinstürzen,"
Das ist es, Deutschland, das sind wir selber. Und darumwurde ich plötzlich so matt und krank beim Anblick jener Auswan-derer, jeuer großen Blutströme, die aus den Wunden des Vater-landes rinnen und sich in den afrikanischen Sand verlieren. Das