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12 (1898) Vermischte Schriften
Entstehung
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20
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2» Vermischte Schriften.

Schwabe,aber wir thatcn es wegen der Kinder. Die sind nachnicht so stark, wie wir, an Deutschland gewähnt, und können vielleichtin der Fremde glücklich werden; freilich, in Afrika werden sie auchmanches ausstehen müssen."

Diese Leute gingen nämlich nach Algier, wo man ihnen untergünstigen Bedingungen eine Strecke Landes zur Kvlonisiernng ver-sprochen hatte.Das Land soll gut seiu," sagten sie,aber wie wirhören, gicbt es dort viel giftige Schlangen, die sehr gefährlich, undman hat dort viel auszustehen von den Affen, die die Früchte vomFelde naschen oder gar die Kinder stehlen und mit sich in die Wälderschleppen. DaS ist gransam. Aber zu Hause ist der Amtmann auchgiftig, wenn man die Steuer nicht bezahlt, und das Feld wird einemvon Wildschaden und Jagd noch weit mehr ruiniert, und unsere Kinderwurden unter die Soldaten gesteckt Was sollten wir thun? Solltenwir eine Revolution anfangen?"

Zur Ehre der Menschheit muß ich hier des Mitgefühls er-wähnen, das, nach der Aussage jener Auswanderer, ihnen auf ihrenLeidcnsstativnen durch ganz Frankreich zu teil wurde. Die Franzosensind nicht bloß das geistreichste, sondern auch das barmherzigste Volk.Sogar die Ärmsten suchten diesen unglücklichen Fremden irgend eineLiebe zu erzeigen, gingen ihnen thätig zur Hand beim Aufpackenund Abladen, liehen ihnen ihre kupfernen Kessel zum Kochen, halfenihnen Holz spalten, Wasser tragen und waschen. Habe mit eigenenAugen gesehen, wie ein französisch Bettelweib einem armen kleinenSchwnbchen ein Stück von ihrem Brot gab, wofür ich mich auchherzlich bei ihr bedankte. Dabei ist noch zu bemerken, daß die Fran-zosen nur das materielle Elend dieser Leute kennen; jene könneneigentlich gar nicht begreifen, warum diese Deutschen ihr Vaterlandverlassen. Denn wenn den Franzosen die landesherrlichen Placke-reien so ganz unerträglich werden, oder auch nur etwas allzu starkbeschwerlich fallen, dann kommt ihnen doch nie in den Sinn, dieFlucht zu ergreifen, sondern sie geben vielmehr ihren Dräugern denLaufpaß, sie werfen sie zum Lande hinaus und bleiben hübsch selberim Lande, mit einem Wort: sie fangen eine Revolution an.

Was mich betrifft, so blieb mir durch jene Begegnung ein tieferKummer, eine schwarze Traurigkeit, eine bleierne Verzagnis imHerzen, dergleichen ich nimmermehr mit Worten zu beschreiben ver-mag. Ich, der eben noch so übermütig wie ein Sieger taumelte, ichging jetzt so matt und krank einher wie ein gebrochener Mensch. Eswar dieses wahrhaftig nicht die Wirkung eines plötzlich aufgeregtenPatriotismus. Ich fühlte, es war etwas Edleres, etwas Besseres.Dazu ist mir seit langer Zeit alles fatal, was den Namen Patrio-tismus trägt. Ja, es konnte mir einst sogar die Sache selber einiger-maßen verleidet werden, als ich den Mummenschanz jener schwarzen