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Kunst und Lüge?^) Wir bewundern bei diesemMeister zumeist sein großes Talent für Form, fürStilistik, seine Begabnis, sich das Außerordentlichsteanzueignen, seine reizend schöne Faktur, sein feinesEidcchscnohr, seine zarten Fühlhörner und seine ernst-hafte, ich möchte fast sagen passionierte Indifferenz.Suchen wir in einer Schwesterkunst nach einer ana-logen Erscheinung, so finden wir sie diesmal in derDichtkunst, und sie heißt Ludwig Tieck. Auch dieserMeister wusstc immer das Vorzüglichste zu rcpro-ducieren, sei es schreibend oder vorlesend, er ver-stand sogar das Naive zu machen, und er hat dochnie Etwas geschaffen, was die Menge bezwang undlebendig blieb in ihrem Herzen^). Dem begabterenMendelssohn würde es schon eher gelingen, etwasewig Bleibendes zu schaffen, aber nicht auf dem
") „zwischen Kunst und Arbeit?" steht in der Angs-burger Allgemeinen Zeitung.
Der Herausgeber.
Der Schluss dieses Absatzes lautet in der Augs-burger Allgemeinen Zeitung, wie folgt: „Beiden eigen istder hitzigste Wunsch nach dramatischer Leistung, und auchMendelssohn wird vielleicht alt und mürrisch werden, ohneetwas wahrhaft Großes ans die Bretter gebracht zu haben.Er wird es wohl versuchen, aber es muss ihm mPlingcn,da hier Wahrheit und Leidenschaft zunächst begehrt werden."
Der Heransgeber.