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11 (1862) Französische Zustände : Th. 4, Kunstberichte aus Paris
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Kunst bekundet Thalbcrg den angeborncn Takt, seinVortrag ist so gcntlcmanlike, so wohlhabend, soanständig, so ganz ohne Grimasse, so ganz ohneforciertes Gcnialthun, so ganz ohne jene renommie-rende Bcngelei, welche die innere Verzagnis schlechtverhehlt, swie wir Dergleichen bei unfern musikali-schen Glückspilzen so oft bemerkten.) Die gesundenWeiber lieben ihn. Die kränklichen Frauen sind ihmnicht minder hold, obgleich er nicht durch epileptischeAnfälle auf dem Klavier ihr Mitleid in Anspruchnimmt, obgleich er nicht aus ihre überreizt zartenNerven spekuliert, obgleich er sie weder elektrisiertnoch galvanisiert; negative, aber schöne Eigenschaf-ten^). Es giebt nur Einen, den ich ihm vorzöge.Das ist Chopin, der aber viel mehr Komponist alsVirtuose ist. Bei Chopin vergesse ich ganz dieMeisterschaft des Klavicrspiels, und versinke in diesüßen Abgründe seiner Musik, in die schmerzlicheLieblichkeit seiner eben so tiefen wie zarten Schöp-fungen. Chopin ist der .große geniale Tondichter,den man eigentlich nur in Gesellschaft von Mozartoder Beethoven oder Rossini nennen sollte.

*) In der Augsburger Allgemeinen Zeitung heißt esstatt der letzten vier Worte: „er entzückt nur durch balsa-mischen Wohllaut, durch Maß und Milde."

Der Herausgeber.