— 329 —
der ans Fabelhafte grenzt. Neben ihm schwindenalle Klavierspieler — mit Ausnahme eines Einzi-gen, des Chopin, des Naphael's des Fortepiano. Inder That, mit Ausnahme dieses Einzigen sind alleandern Klavierspieler, die wir dieses Jahr in un-zähligen Konccrtcn hörten, eben nur Klavierspieler,sie glänzen durch die Fertigkeit, womit sie das be-saitete Holz handhaben; bei Lißt hingegen denktman nicht mehr an überwundene Schwierigkeit, dasKlavier verschwindet, und es offenbart sich die Mu-sik. In dieser Beziehung hat Lißt, seit wir ihn zumletzten Mal hörten, den wunderbarsten Fortschrittgemacht. Mit diesem Vorzug verbindet er eineRuhe, die wir früher an ihm vcrmisstcu. Wenn erz. B. damals auf dem Pianoforte ein Gewitterspielte, sahen wir die Blitze über sein eigenes Ge-sicht dahinzuckcn, wie von Sturmwind schlottertenseine Glieder, und seine langen Haarzöpfe träuftengleichsam vom dargestellten Platzregen. Wenn er jetztauch das stärkste Donnerwetter spielt, so ragt erdoch selber darüber empor, wie der Reisende, derauf der Spitze einer Alpe steht, während es imThal gewittert; die Wolken lagern tief unter ihm,die Blitze ringeln wie Schlangen zu seinen Fü-ßen, das Haupt erhebt er lächelnd in den reinenÄther.