— 247 —
im Lcbcn wie in dcr Kunst pflückte er die leichte-sten Blumen.
Aber Dergleichen konnte einer deutschen Nntnrnicht lange genügen. Ein gewisses Heimweh nachdem Ernste des Vaterlands ward in ihm wach;während er unter welschen Myrten lagerte, be-schlich ihn die Erinnerung an die geheimnisvollenSchauer deutscher Eichenwälder; während südlicheZephyre ihn umtosten, dachte er an die dunklenChoräle des Nordwinds; — es ging ihm vielleichtgar wie dcr Frau von Sevigns, die, als sie nebeneiner Orangerie wohnte und beständig von lauterOrangenblüthcn umduftct war, sich am Ende nachdem schlechten Gerüche einer gesunden Mistkarre zusehnen begann . . . Kurz, eine neue Reaktion fandstatt, Signor Giacomo ward plötzlich wieder einDeutscher und schloss sich wieder an Deutschland,nicht an das alte, morsche, abgelebte Deutschlanddes engbrüstigen Spicßbürgcrthums, sondern an dasjunge, großmüthigc, wcltfrcie Deutschland einerneuen Generation, die alle Fragen der Menschheitzu ihren eigenen gemacht hat, und die, wenn auchnicht immer auf ihrem Banner, doch desto unaus-löschlicher in ihrem Herzen, die großen Mcnschheits-fragcn eingeschrieben trügt.