Druckschrift 
11 (1862) Französische Zustände : Th. 4, Kunstberichte aus Paris
Entstehung
Seite
158
Einzelbild herunterladen
 

158

schwere Notrcdamc-Glockc, und ich erwachte. Undnun grüble ich schon eine Stunde darüber nach,was eigentlich die nackten Leute unter dem?ont-nsnksuchten? Ich glaube, im Traume wusst' ich es undhabe es seitdem vergessen.

Die glänzenden Morgennebel versprechen einenschönen Frühlingstag. Der Hahn kräht. Der alteInvalide, welcher neben uns wohnt, sitzt schon vorseiner Hausthüre und singt seine napoleonischcnLieder. Sein Enkel, das blondgelockte Kind, istebenfalls schon auf seinen nackten Beinchcn undsteht jetzt vor meinem Fenster, ein Stück Zucker inden Händchen, und will damit die Rosen füttern.Ein Sperling trippelt heran mit den kleinen Füß-chcn und betrachtet das liebe Kind wie neugierig,wie verwundert. Mit hastigem Schritt kommt aberdie Mutter, das schöne Bauerweib, nimmt dasKind aus den Arm und trägt es wieder in dasHaus, damit es sich nicht in der Morgenluft erkälte.

Ich aber greife wieder zur Feder, um überdas französische Theater meine verworrenen Gedan-ken in einem noch verworreneren Stile nicdcrzu-kritzcln. Schwerlich wird in dieser geschriebenenWildnis Etwas zum Vorschein kommen, was fürSie, thcurcr Freund, bclchrsam wäre. Ihnen, demDramaturgen, der das Theater in allen seinen Be-