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11 (1862) Französische Zustände : Th. 4, Kunstberichte aus Paris
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zu unterstützen pflegt. Mau behauptet z. B., dieDeutschen besäßen kein gutes Lustspiel, weil sie einernstes Volk seien, die Franzosen hingegen warenein heiteres Volk und desshalb begabter für dasLustspiel. Dieser Satz ist grundfalsch. Die Fran-zosen sind keineswegs ein heiteres Volk. Im Gc-gcnthcil, ich fange an zu glauben, dass LorenzSterne Recht hatte, wenn er behauptete, sie seienviel zu ernsthaft. Und damals, als Aorick seine sen-timentale Reise nach Frankreich schrieb, blühte dortnoch die ganze Lcichtfüßigkeit und parfümierte Fa-daise des alten Regimes, und die Franzosen hattenim Nachdenken noch nicht durch die Guillotine undNapoleon die gehörigen Lektionen bekommen. Undgar jetzt, seit der Juliusrcvolntion, wie haben siein der Ernsthaftigkeit, oder wenigstens in der Spasz-lvsigkcit die langweiligsten Fortschritte gemacht! IhreGesichter sind länger geworden, ihre Mundwinkel sindtiefsinniger herabgezogen; sie lernten von uns Philo-sophie und Tabackrauchen. Eine große Umwandlunghat sich seitdem mit den Franzosen begeben, sie sehensich selber nicht mehr ähnlich. Nichts ist kläglicherals das Geschwätze unserer Teutomanen, die, wennsie gegen die Franzosen losziehen, doch noch immerdie Franzosen des Empires, die sie in Deutschlandgesehen, vor Augen haben. Sie denken nicht dran,

Heine's Wcele. Bd. XI. Ig