— 134 —
lich begraben konnte. Sic wusch ihn und kleideteihn und legte ihn selbst in den Sarg, und ansdem Kirchhofe öffnete sie den Deckel, um den Todtcnnoch einmal zu betrachten. Sic sprach kein Wortund weinte keine einzige Thräne; aber ihre Augenwaren blutig, und nimmermehr vergesse ich diesesweiße Stcingcsicht mit den blutrünstigen Angcnj...
Aber jetzt ist ein schönes Frühlingswcttcr, dieSonne lacht, die Kinder jauchzen, sogar lauter alseben nöthig wäre, und hier in dem kleinen Dorf-hänSchcn, wo ich schon vorig Jahr die schönstenMonate zubrachte, will ich Ihnen über das fran-zösische Theater eine Reihe Briefe schreiben, unddabei, Ihrem Wunsche gemäß, auch die Bezüge aufdie heimische Bühne nicht außer Augen lassen. Letz-teres hat seine Schwierigkeit, da die Erinnerungender deutschen Brcttcrwclt täglich mehr und mehr inmeinem Gedächtnisse erbleichen. Von Theaterstücken,die in der letzten Zeit geschrieben worden, ist mirNichts zu Gesicht gekommen, als zwei Tragödien vonJmmcrmann: „Merlin" und „Peter der Große,"welche gewiss beide, der „Merlin" wegen der Poesie,der „Peter" wegen der Politik, nicht aufgeführtwerden konnten . . . Und denken Sie sich meineMiene: in dem Packctc, welches diese Schöpfungeneines lieben großen Dichters enthielt, fand ich einige