Handlung, wie der Genuss einer Frucht, die er voneinem Baume an der Straße abgebrochen hätte,um seinen Durst zu löschen; und es war gewissein heißer Tag im heißen Mesopotamien, und derarme Erzvater Inda lechzte nach einer Erfrischung.Und dann trägt seine Handlung ganz den Stempeldes göttlichen Willens, sie war eine providcntielle— ohne jenen großen Durst hätte Thamar keinKind bekommen; dieses Kind aber wurde der Ahn-herr David's, welcher als König über Inda undIsrael herrschte, und es ward also zugleich auchder Stammvater jenes noch größern Königs mitder Dornenkrone, den jetzt die ganze Welt verehrt,Jesus von Nazarcth.
Was die Auffassung dieses Sujets betrifft, sowill ich, ohne mich in einen allzu homiletischenTadel einzulassen, dieselbe mit wenigen Worten be-schreiben. Thamar, die schöne Person, sitzt an derLandstraße und offenbart bei dieser Gelegenheit ihreüppigsten Reize. Fuß, Bein, Knie u. s. w. sind voneiner Vollendung, die an Poesie grenzt. Der Busenguillt hervor aus dem knappen Gewand, blühend,duftig, verlockend, wie die verbotene Frucht imGarten Eden. Mit der rechten Hand, die ebenfallsentzückend trefflich gemalt ist, hält sich die Schöneeinen Zipfel ihres weißen Gewandes vors Gesicht,