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11 (1862) Französische Zustände : Th. 4, Kunstberichte aus Paris
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fassung desselben bestimmt tadeln. Dieses Sujet,der Bibel entlehnt, ist die Geschichte Juda's undseiner Schwiegertochter Thamar. Nach unscrn mo-dernen Begriffen und Gefühlen erscheinen uns beidePersonen in einem sehr unsittlichen Lichte. Jedochnach der Ansicht des Alterthums, wo die höchsteAufgabe des Weibes darin bestand, dass sie Kindergebar, dass sie den Stamm ihres Mannes fortpflanze (zumal nach der althcbräischen Denkweise, woder nächste Anverwandte die Wittwc eines Verstor-benen hcirathcn mnsstc, wenn derselbe kinderlos starb,nicht bloß damit durch solche posthume Nachkommen-schaft die Familicngütcr, sondern damit auch dasAndenken der Tobten, ihr Fortleben in den Später-gcborncn, gleichsam ihre irdische Unsterblichkeit, ge-sichert werde), nach solcher antiken Anschauungs-weise war die Handlung der Thamar eine höchstsittliche, fromme, gottgefällige That, naiv schön undfast so heroisch wie die That der Judith, die nnsernheutigen Patriotismusgcfühlen schon etwas nähersteht. WaS ihren Schwiegervater Inda betrifft, sovindicicrcn wir für ihn eben keinen Lorber, aberwir behaupten, dass er in keinem Falle eine Sündebeging. Denn erstens war die Bciwohnung einesWeibes, das er an der Landstraße fand, für denHebräer der Vorzeit eben so wenig eine unerlaubte