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9 (1898) Französische Zustände : 1
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24t) Französische Zustände. I.

die Unglückspropheten recht haben, und der kecke Lenz mit unvor-sichtiger Lunte den geladenen Kanonen nahe. Ist aber diese Gefahrüberstanden, und ist gar der heiße Sommer gewitterlos vorüber-gezogen, dann, glaube ich, ist Europa für lange Zeit vor den Schreck-nissen eines Krieges geschützt, und wir dürfen uns eines langen,dauernden Friedens versichert halten. Die Wirrnisse, die von obenkamen, werden alsdann auch dort oben ruhig gelöst worden sein,und das niedrige Gezücht des Nationalhasses, das sich in den unterenSchichten der Gesellschaft entwickelt hat, wird von der besseren Einsichtder Volker wieder in seinen Schlamm zurückgetreten werden. Daswissen aber auch die Dämonen des Umsturzes diesseits und jenseitsdes Rheins, und wie hier in Frankreich die radikale Partei, ausAngst vor der definitiven Befestigung der Orleansschen Dynastie undihrer auf lange Zeit gesicherten Dauer, die Wechselfälle des Kriegesherbeiwünscht, um nur die Chance eines Regierungswechsels zu ge-winnen: so predigt jenseits des Rheins die radikale Partei einenKreuzzug gegen die Franzosen, in der Hoffnung, daß die entzügeltenLeidenschaften einen wilden Zustand herbeiführen, wo viel leichterals in einer zahmen und gezähmten Periode die Ideen der Bewegungverwirklicht werden können. Ja, die Furcht vor der einschläferndenund fesselnden Macht des Friedens brachte diese Leute zu dem ver-zweiflungsvollen Entschluß, das französische Volk (wie sie in ihrerUnschuld sich ausdrücken) aufzuopfern. Wir sagen es offen, weiluns dieser Hervismus ebenso thöricht wie undankbar erscheint, undweil wir unsägliches Mitleid empfinden mit der bärenhaften Unbeholfenheit, die sich einbildet, klüger zu sein, als alle Füchse derList! O ihr Thoren, ich rate euch, legt euch nicht auf das gefähr-liche Fach der politischen Pfiffigkeit, seid deutsch ehrlich und menschlichdankbar, und bildet euch nicht ein, ihr werdet auf eigenen Beinenstehen, wenn Frankreich fällt, die einzige Stütze, die ihr habt aufdieser Erde!

Werden aber nicht auch von oben die Funken der Zwietrachtgeschürt? Ich weiß es nicht. Ich glaube es nicht, und es will michbedünken, die diplomatischen Wirrnisse seien mehr ein Resultat derUngeschicklichkeit als des bösen Willens. Wer will aber den Krieg?England und Rußland könnten sich schon jetzt zufrieden geben; —sie haben bereits genug Vorteile im Trüben erfischt. Für Deutsch-land und Frankreich jedoch ist der Krieg ebenso unnötig wie gefähr-lich; die Franzosen besäßen zwar gern die Rheingrenze, aber nurweil sie sonst gegen etwaige Invasionen zu wenig geschützt sind, unddie Deutschen brauchten nicht zu fürchten, die Rheingrenze zu ver-lieren, solange sie nicht selber den Frieden brechen. Weder dasdeutsche Volk, noch das französische Volk begehrt nach Krieg. Ichbrauche wohl nicht erst zu beweisen, daß die Rvdomontaden unserer