Das Biirgerkönigtum im Jahre 1832. 231
erzählt: Den 1. August, als Karl X. deu Herzog von OrlenuS zumLieutenant-General ernannt, habe sich Duhm zu letzterem nach Neuillybegeben und ihm vorgestellt, daß er, um dem gefährlichen Verdachtder Zweideutigkeit zu entgehen, auf eine entschiedene Weise mitKarl X. brechen und ihm einen bestimmten Absagebrief schreibenmüsse. Ludwig Philipp habe dem Rate Dnpins seinen ganzen Beifallgeschenkt und ihn selbst gebeten, einen solchen Brief für ihn zu redi-gieren; dieses sei geschehen, und zwar in den derbsten Ausdrücken,und Ludwig Philipp, im Begriff, deu schon mit einem Adreßcouverteversehenen Brief zu versiegeln und das Siegellack bereits an dieWachskerze haltend, habe sich plötzlich zu Dnpin gewandt mit denWorten: „In wichtigen Fällen konsultierte ich immer meine Frau,ich will ihr erst deu Brief vorlesen, und findet er Beifall, so schickenwir ihn gleich ab." Hierauf habe er das Zimmer verlassen, undnach einer Weile mit dem Briefe zurückkehrend, habe er denselbenschnell versiegelt und unverzüglich an Karl X. abgeschickt. Aber nurdas Adreßcouvert sei dasselbe gewesen, dein plump Dupinschcn Briefejedoch habe der fingerfertige Künstler ein ganz demütiges Schreibensubstituiert, worin er, seine Unterthanentrene beteuernd, die Ernennungals Lieutenant-General annahm und den König beschwor, zu grinstenseines Enkels zu abdizieren. Die nächste Frage ist nun: Wie warddieser Betrug entdeckt? Hierauf hat Herr Louis Blaue einem Be-kannten von mir mündlich die Antwort erteilt: Herr Berryer, alser nach Prag zu Karl X. reiste, habe demselben ehrfurchtsvoll vor-gestellt, daß Seine Majestät sich einst mit der Abdikation etwas zusehr übereilt, worauf ihm Seine Majestät, um sich zu justifiziereu,den Brief zeigte, den ihm zu jener Zeit der Herzog von Orleansgeschrieben: den Rat desselben habe er nur so eifriger befolgt, da erin ihm den Lieutenant-General des Königreichs anerkannt hatte. Esist also Herr Berryer, welcher jenen Brief gesehen hat und auf dessenAutorität die ganze Anekdote beruht. Für die Legitimisten ist dieseAutorität gewiß hinreichend, und sie ist es auch für die Republikaner,die alles glauben, was der legitime Haß gegen Ludwig Philipp er-findet. Wir sahen dieses noch jüngst, als eine verrufene Bettel diebekannten falschen Briefe schmiedete, bei welcher Gelegenheit HerrBerryer sich bereits als Advokat der Fälschung in vollem Glänzezeigte. Wir, die wir weder Legitimisten noch Republikaner sind, wirglauben nur an das Talent des Herrn Berryer, an sein wohltöuendesOrgan, an seinen Sinn für Spiel und Musik^), und ganz besondersglauben wir an die ungeheuren Summen, womit die legitimistischcPartei ihren großen Sachwalter honoriert.
-i „aber er wird uns nicht an die Anekdoten glauben machen, die er leicht-gläubigen republikanischen Tröpsen auftischt" schließt dieser Satz in der französischenAusgabe. Der Herausgeber.