Das Biirgerkönigtum im Jahre 1832. 1S7
ihre adligen Colporteurs, die sie oft gratis austeilen, ja vielleichtden Lesern manchmal noch Geld dazu geben, finden natürlicherweisegrößeren Absatz als sanftmütige Juste-Milieu-Zeitungen. Ich kanndiese beiden Blätter nicht genug empfehlen, da ich von einem höherenStandpunkte sie durchaus nicht schädlich achte für die Sache derWahrheit; sie fördern diese vielmehr dadurch, daß sie die Kämpfersdie im Kampfe zuweilen ermüden, zu neuer Thatkraft anstacheln.Jene zwei Journale sind die wahren RePräsentanten jener Leute, die,wenn ihre Sache unterliegt, sich an den Personen rächen; es ist einuraltes Verhältnis, wir treten ihnen auf den Kopf und sie stechenuns in die Ferse. Nur muß man zum Lobe der „Quotidienne"erwähnen, daß sie zwar ebensowohl wie die „Gazette" eine Schlangeist, daß sie aber ihre Böswilligkeit minder verbirgt; daß ihr Erb-groll sich in jedem Worte verrät; daß sie eine Art Klapperschlangeist, die, wenn sie hcrankriccht, mit ihrer Klapper vor sich selber warnt.Die „Gazette" hat leider keine solche Klapper. Die „Gazette" sprichtzuweilen gegen ihre eigenen Prinzipien, um den Sieg derselben in-direkt zu bewirken; die „Quotidienne", in ihrer Hitze, opfert lieberden Sieg, als daß sie sich solcher kalten Selbstverleugnung unter-würfe. Die „Gazette" hat die Ruhe des Jesuitismus, der sich nichtvon Meinungswut verwirren läßt, welches um so leichter ist, da derJesuitismus eigentlich keine Gesinnung, sondern nur ein Metier ist;in der „Quotidienne" hingegen brüten und wüten hochfahrende 'Junker und grimmige Mönche schlecht vermummt in ritterlicherLoyalität und christlicher Liebe. Diesen letzteren Charakter trägtauch die karlistische Zeitschrift, die unter dem Titel: ,Ku?.kttg eisin biorumuciis" hier in Rouen erscheint. Es ist darin ein süßlichesGeklage über die gute alte Zeit, die leider verschwunden mit ihrenchevalereskcn Gestalten, mit ihren Kreuzzügen, Turnieren, Wappen-herolden, ehrsamen Bürgern, frommen Nonnen, minniglichen Damen,Troubadouren und sonstigen Gemütlichkeiten, so daß man sonderbarerinnert wird an die feudalistischen Romane eines berühmten deutschen'DichlerS, in dessen Kopf mehr Blumen als Gedanken blühten, dessenHerz aber voller Liebe war; — bei dem Redacteur der ,lZn?sttseis In blormaueiis" ist hingegen der Kopf voll von krassem Ob-skurantismus, und sein Herz ist voll Gift und Galle. DieserRedaetcur ist ein gewisser Vicvmte Walsh, ein langer gräulicherBloudin von etwa sechzig Jahren. Ich sah ihn in Dieppe, wo erzu einem Karlistcncvncilinm eingeladen war und von der ganzennoblen Sippschaft sehr fctiert wurde. Geschwätzig, wie sie sind, hatjedoch ein kleines Karlistchen mir zugeflüstert: „Osst uu tarasuxoorupsrs;" er ist eigentlich nicht von gutem französischen Adel; seinVater, ein Jrläuder von Geburt, war in französischem Kriegsdienstebeim Ausbruche der Revolution, und als er emigrierte, und die