Das Biirgerköniqtnm im Jahre 1832. 99
Freiheit zuweilen in jenen Grenzen zusammengedrängt ist, und manhat noch viel weniger einen Begriff von der Faulheit und Schläfrig-keit der Grenzwächter. Nur wo sie Schutz geben sollen gegen Willkürder Gewalthaber, sind jene Grenzen fest und wachsam gehütet. Wennsie überschritten werden von den Gewalthabern, dann steht ganzEngland auf wie ein einziger Mann, und die Willkür wird zurück-getrieben. Ja, diese Leute warten nicht einmal, bis die Freiheitverletzt worden, sondern wo sie nur im geringsten bedroht ist, erhebensie sich gewaltig mit Worten und Flinten. Die Franzosen des Juliussind nicht früher aufgestanden, als bis die ersten Keulenschläge derWillkür, die Ordonnanzen, ihnen anfs Haupt niederfielen. Die Eng-länder dieses Maimonds haben nicht den ersten Schlag abgewartet;es war ihnen schon genug, daß dem berühmten Scharfrichter, derschon in andern Ländern die Freiheit hingerichtet, das Schwert inHänden gegeben worden.
Es sind wunderliche Käuze, diese Engländer. Ich kann sie nichtleiden. Sie sind erstens langweilig, und dann sind sie ungesellig,eigensüchtig, sie quäken wie die Frösche, sie sind geborene Feindealler guten Musik, sie gehen in die Kirche mit vergoldeten Gebet-büchern, und sie verachten uns Deutsche, weil wir Sauerkraut essen.Aber als es der englischen Aristokratie gelang, „das deutsche Weib"jikm nnst^ Asrnmn krov) durch die Hosbastardschaft in ihr Inter-esse zu ziehen; als König Wilhelm, der noch des Abends an LordGrey versprach, so viel neue Pairs zu ernennen, als zum Durch-setzen der Reformbill nötig sei, umgestimmt durch die Königin derNacht, des andern Morgens sein Wort brach; als Wellington undseine Tvries mit ihren liberticiden Händen die Staatsgewalt ergriffen;da waren jene Engländer plötzlich gar nicht mehr langweilig, sondernsie vereinigten sich hundertausendweis; sie wurden sehr gemeinsinnig;ihre Worte waren gar nicht mehr so quäkend, sondern voll des kühn-sten WvhllautS; sie sprachen Dinge, die hinreißender klangen als dieMelodien von Rossini und Meyerbecr, und sie sprachen gar nicht sogebetbücherlich fromm von den Priestern der Kirche, sondern sieberieten sich ganz sreigeistig, „ob sie nicht die Bischöfe zum Henkerjagen, und König Wilhelm, mitsamt seiner Sauerkrautsippschaft, nachHannover zurückschicken sollten".
Ich habe, als ich früher in England war, über vieles gelacht,aber am herzlichsten über den Lord Mahor, den eigentlichen Bürger-meister des Weichbildes von London, der als eine Ruine des mittel-alterlichen Kommnncwcscns sich in all seiner Perückcnmajestät undbreiten Zunftwürde erhalten hat. Ich sah ihn in der Gesellschaftseiner Aldermänner; das sind die gravitätischen Vorstände der Bür-gerschaft, Gevatter Schneider und Handschuhmacher, meistens dickeKrämer, rote Beefsteakgesichter, lebendige Porterkrüge, aber nüchtern,
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