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9 (1898) Französische Zustände : 1
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12 Französische Zustände. I.

liches Herzeleid erduldet, eben jetzt trägt er Trauer um deu geliebtenblühenden Enkel, den er jenem Systeme geopfert, dieser neue Kummerhat tief gebeugt das greise Haupt, welches einst die deutsche Kaiser-krone getragen dieser arme Kaiser ist noch immer der wahreRepräsentant des unglücklichen Deutschland!

Von Preußen dürfen wir in einem andern Tone sprechen. Hierhemmt uns wenigstens keine Pietät ob der Heiligkeit eines deutschenKaiserhauptcs. Mögen immerhin die gelehrten Knechte an der Spreeyon einem großen Imperator des BorusseureichS träumen, und dieHegemonie und Schirmherrlichkcit Preußens proklamieren. Aber bisjetzt ist es den langen Fingern von Hohenzollern noch nicht gelungen,die Krone Karls des Großen zu erfassen und zu dem Raub so vielerpolnischer und sächsischer Kleinodien in den Sack zu stecken. Nochhängt die Krone Karls des Großen viel zu hoch, und ich zweifle sehr,ob sie je herabsinkt auf das witzige Haupt jenes gvldgespornten Prin-zen, dem seine Barone schon jetzt, als dem künftigen Restauratordes Rittertums, ihre Huldigungen darbringen. Ich glaube vielmehr,Se. königliche Hoheit wird, statt eines Nachfolgers Karls des Großen,nur ein Nachfolger Karls X. und Karls von Braunschwcig.

Es ist wahr, noch vor kurzem haben viele Freunde des Vater-lands die Vergrößerung Preußens gewünscht und in seinen Königendie Oberhcrrcn eines vereinigten Deutschlands zu sehen gehofft, undman hat die Vaterlandsliebe zu ködern gewußt, und es gab einenpreußischen Liberalismus, und die Freunde der Freiheit blickten schonvertraunngsvoll nach den Linden von Berlin. Was mich betrifft,ich habe mich nie zu solchem Vertrauen verstehen wollen. Ich betrachtete vielmehr mit Besorgnis diesen preußischen Adler, und währendandere rühmten, wie kühn er in die Sonne schaue, war ich destoaufmerksamer auf seine Krallen. Ich traute nicht diesem Preußen,diesem langen frömmelnden Gamaschenhcld mit dem Ivetten Magenund dem großen Maule und mit dein Korpvralstock, den er erst inWeihwasser taucht, che er damit zuschlägt. Mir mißfiel dieses philosophisch christliche Soldatentum, dieses Gemengsel von Weißbier, Lügeund Sand. Widerwärtig, tief widerwärtig war mir dieses Preußen,dieses steife, heuchlerische, scheinheilige Preußen, dieser Tnrtüffe unterden Staaten.

Endlich, als Warschau fiel, fiel auch der weiche fromme Mantel,worin sich Preußen so schön zu drapieren gewußt, und selbst derBlödsichtigste erblickte die eiserne Rüstung des Despotismus, die dar-unter verborgen war. Diese heilsame Enttäuschung verdankt Deutsch-land dem Unglück der Polen.

Die Polen! Das Blut zittert mir in den Adern, wenn ich dasWort niederschreibe, wenn ich daran denke, wie Preußen gegen dieseedelsten Kinder des Unglücks gehandelt hat, wie feige, wie gemein,