werden. (Von der Überschrift „dramatisches Ge-dicht" nehme ich keine Notiz; so Etwas bestichtmich nicht). Wenigstens wirst du wirkliche Tra-gödien hervorgebracht haben. Doch ob auch gute?„Das ist die Frage" — sagt der Kronprinz vonDänemark. Ich zweifle. Vielleicht liegt's an denvierfüßigen Trochäen, die mir überall unausstehlichsind in einem Drama. Vielleicht aus Vornrtheil,nur den fünffüßigen Jambus lasse ich dort gelten.Doch dürfen diese nicht reimen; höchstens in ganzlyrischen Stellen, wie z. B. das Gespräch von Ro-meo und Julie, durchaus nicht in ruhig gehalte-nen Expositionsscenen, wie in deiner „Anna vonCleve." Der Anfang von Letzterer gefällt mirganz unbändig. In metrischer Hinsicht finde ichdie Jamben weit besser, als ich dir zugetraut. Ver-banne nur das holprige Trochäengesindel mit ihrenFlickwortskrücken, wie z. B. das oft eingeflickteWörtchen „hold," dem ich, wie du weißt, durchausnicht hold bin. Die poetischen Bilder in jenenzwei Proben sehen aus wie König Pharao's magereKühe. Was mich am meisten bei dir wundert, ist,dass Alles den Charakter der Flüchtigkeit trägt.Arbeite die „Anna von Cleve" fertig. Ich glaube,du könntest sie auf die Bühne bringen, wenn duAnspielungen ans den Process der jetzigen Königin
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