778 Beschreibung und Gebranch der astronom. Instrumente. §. 230.
So betrübend daher auch jene Bemerkungen für den Menschenfreundauf den ersten Anblick erscheinen mögen, so tröstend, ja erhebend werdensie bei einer näheren Betrachtung, da sie uns lehren, daß unser Schick-sal, im Ganzen genommen, von uns selbst abhängt, und da sie uns zu-gleich die Mittel kennen lehrt, durch die allein die Verbesserung diesesSchicksals erhalten werden kann: Vervollkommnung unserer Erziehung.Veredlung unserer Sitten und Gewohnheiten und Verbreitung unsererKenntnisse von uns selbst und von der ringsum uns umgebenden Natur.Wenn es, aller Erfahrung verflossener Jahrhunderte gemäß, nicht wei-ter bezweifelt werden kann, daß der Mensch, wie alles, was da lebt,einem von dem ewigen Urheber der Natur aufgestellten Gesetze, dem ersich nicht völlig entziehen kann, unterworfen ist, so ist es doch auf derandern Seite, derselben Erfahrung gemäß, nicht minder klar, daß jedereinzelne Mensch durch die Freiheit seines Willens und durch Veredlungseiner geistigen Kraft, nicht nur sich selbst den Einstigen jenes Gesetzesoder vielmehr den daraus entspringenden Hindernisten mehr und mehrentziehen und ihnen entgegen wirken, sondern daß er, wenn er mit vor-züglicher Geisteskraft begabt und vom Glücke in seiner Stellung begün-stiget ist, selbst auf die Vervollkommnung seines ganzen Geschlechtes oftauf das wohlthätigste und auf viele Jahrhunderte hin, einwirken kann,wie unsere Geschichte auf mehr als einem ihrer Blätter zeugt. DieseAuserwählten, diese so recht eigentlich vom Himmel zur Veredlung desMenschengeschlechtes Berufenen sind es, denen man an ihrer Wiege schonsagen, denen man bis an das Ende ihrer irdischen Laufbahnen täglichwiederholen sollte, welchen hohen Auftrag sie erhalten, welche schwereVerantwortung sie auf sich genommen haben.
Leben wir der heiteren Hoffnung, daß die Zeit, wo diese Wünsche,wenigstens ihrem größeren Theil nach, in Erfüllung gehen sollen, nichtmehr >0 fern von uns ist. Seit mehreren Jahrzehnten ist in beinaheallen Ländern Europas ein Geist der Beobachtung und Untersuchungrege geworden, der sich vorzüglich in den eigentlich sogenannte» Natur-wissenschaften äußert. So lebhaft waren seine Fortschritte in allen Zwei-gen unserer Erkenntniß der uns umgebenden Welt, daß diese letzten Zei-ten mehr Entdeckungen gebracht haben, als viele vorhergehende Jahr-hunderte zusammen genommen. Immer mehr wendet sich dieser Geistab, einerseits von dem Reiche der Dichtkunst und der Romantik, diemehr dem jugendlichen Alter der Völker geziemt, und andererseits vonden gehaltleeren Spekulationen der Metaphysik, um seine ganze Kraftauf die Erkenntniß der Natur zu vereinigen, auf bestimmte, durch Be-obachtung und Berechnung konstatirte Erkenntniß positiver Erschei-nungen. Diese zweckmäßigste aller Beschäftigungen, die der menschlicheGeist wählen kann, wird nicht verfehlen, auch auf ihn selbst wieder wohl-thätig zurück zu wirken. In der That scheint sich bereits die Zeit immerweiter von uns zu entfernen, wo selbst die Besseren mit oberflächlichen,mit halbverstandenen Ansichten und mit unbestimmten Umrissen stch be-gnügten, während man jetzt mit jedem Tage mehr auf feste Form undscharfe Gränze dringt, und selbst bei solchen Untersuchungen, die früherganz außer dem Bereich der Mathematik lagen und dem Zufalle über-lassen wurden, nicht bloß beobachten, messen und wägen, sondern auchdiese Beobachtungen der eigentlichen Rechnung unterwerfen will, weildiese, und diese allein uns in den Stand setzt, die gewünschte Wahrheitunserer Erkenntniß, wenn auch nicht völlig zu erreichen, doch uns der-selben immer mehr und mehr zu nähern.
§. 230. (Wahrscheinlichkeitsrechnung bei Zeugenaussagen.) Die Wahr-