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Beschreibung und Gebrauch der astronom. Instrumente.
tz. 215^
tionen der Wärme in der Atmosphäre bringen in jedem Instrumentenicht bloß augenblickliche und vorübergehende, sondern selbst konstanteVeränderungen hervor, die sich nie ganz wieder herstellen. Durch dasGewicht der einzelnen Theile, die bei einem solchen Werkzeuge, bei demGebrauche desselben, verschiedene Lagen gegen einander annehmen müs-sen, werden Verziehuugen, Preßlingen und Reibungen entstehen, die keinnoch so symmetrischer Bau des Ganzen und kein noch so zweckmäßig aus-gedachtes Gegengewichtssyftem vollkommen aufheben kann. Außer diesenund ähnlichen Hindernißen, deren gänzliche Entfernung außer dem Be-reiche des Künstlers sowohl, als auch des Beobachters ist, wird jedes,auch das beste Instrument noch Fehler der Ausführung haben, diewohl mit der Geschicklichkeit und dem Scharfsinne des Künstlers sich ver-mindern, aber nie völlig verschwinden werden. Die Axe wird nie voll-kommen cylindrisch, nie ganz koncentrisch mit ihrem Kreise, dieser wirdnicht geometrisch kreisförmig, die Eintheilung deßelben nie völlig fehler-frei seyn u. s. w. Dasselbe wird auch von der Aufstellung dieserInstrumente gelten. Die Ebene des Meridiankreises oder die optischeApe seines Fernrohrs wird nie ganz genau in der Ebene des Meridians,die vertikale Axe des Multiplikationskreises nie völlig senkrecht auf demHorizonte, die Drehuugsaxe des Aequatorials nie vollkommen der Weltaveparallel seyn u. s. w., da alle Vorsicht, die man dabei angewendet habenmag, doch nur eine Annäherung zur Wahrheit, aber nicht diese Wahr-heit selbst, nur eine Verminderung, aber keine völlige Vernichtung allerjener Fehler erreichen kann. So vollkommen diese Instrumente auch ge-baut und aufgestellt seyn mögen, die Forderungen des Beobachters wer-den immer vor den Leistungen des Künstlers voraus seyn, und an jenemist es daher, sich so viel als möglich von diesen unabhängig zu machen,und die Fehler, welche der Künstler von diesem Instrumente nicht ganz.entfernen konnte, entweder geschickt zu umgeben und dadurch unschädlichzu machen, oder ihre wahre Größe durch die Beobachtungen selbst zu ent-decken und dann von ihnen Rechnung zu tragen. — Zu dieser Absichtmuß der Astronom seine Beobachtungen so auswählen, so untereinanderverbinden und sich mit allen Eigenheiten seines Instruments und mitden verschiedenen Fehlerquellen desselben so innig bekannt machen, daßer in diesen Fehlern selbst, so weit dieß menschlichen Kräften möglich ist,die Wahrheit erkennen und aus ihnen die der Natur der beobachtetenErscheinungen gemäße oder richtige Resultate herausfinden kann. Hierinvorzüglich besteht das eigentliche Geschäft des praktischen Astronomen,ein schweres und oft sehr verwickeltes Geschäft, von welchem aber hiernur die allgemeinsten Züge den Lesern mitgetheilt werden können, da es,um sie völlig zu verstehen, nöthig seyn würde, alle diese Geschäfte selbstbei jedem einzelnen Instrumente umständlich durchzugehen. MehrereWinke dazu sind übrigens bereits in dem Vorhergehenden enthalten.So wird z. B. bei allen oben erwähnten Kreisen vorausgesetzt, daß sichdie Alhidade desselben mit diesem Kreise genau koncentrisch bewegt. Dadiese Forderung von dem Künstler nicht in aller Strenge befriedigetwerden kann, so bleibt dem Beobachter, wenn er genaue Resultate erhal-ten will, nichts anderes übrig, als entweder die Größe dieser Evcentri-cität aufzusuchen und seine Beobachtungen darnach zu verbessern, oderaber diesen Fehler durch irgend ein Mittel zu umgehen und dadurch un-schädlich zu machen. Nun läßt sich auf eine sehr einfache Weise, durchbloße Elementargeometrie, zeigen, daß, wie groß auch diese Excentricitätseyn mag, die Wirkung derselben dadurch völlig vernichtet wird/wenn mander Alhidade, z. V. der Alhidade mm' des Aequatorials (Fig. 110) zwei