§. 2i4. Beschreibung und Gebrauch der astronom. Instrumente.
zwischen die Sonne oder den Fixstern stellt und uns daher den Anblickdieser Gestirne raubt oder, wie man zu sagen pflegt, sie verfinstert. Mansteht aber, daß dabei die Stellung des Beobachters auf der Oberflächeder Erde diese Erscheinungen gar mannigfaltig verändern kann. Einsehr östlich siebender Beobachter wird z. B. den Mond noch weit westlichvon dem Stern sehen können, während für den westlichen Beobachter derStern von dem Monde schon seit längerer Zeit bedeckt ist. Allein daman die Bewegung des Mondes schon so genau kennt, so ist es leicht,die von der Oberfläche der Erde beobachtete Finsterniß durch Rechnungauf diejenige Zeit zu bringen, zu welcher man sie ans dem Mittelpunkteder Erde beobachtet haben würde, und wenn diese Reduktion, die manbei der gegenwärtigen Vollkommenheit unserer Mondstafeln mit großerSchärfe vornehmen kann, bei allen Beobachtungen derselben Finsternißvorgenommen wird, so hat man dann, für diese gleichsam von dem Mit-telpunkte der Erde gesehene Finsterniß, die wieder für alle Beobachtertautochron ist, die Ortszeiten der verschiedenen Beobachter auf der Erde,daher man nur wieder diese Ortszeiten, wie zuvor, von einander subtra-hiren darf, um sofort auch die gesuchten Längendisserenzen dieser Beobach-tungsvrte zu erhalten.
Um auch dieß durch ein Beispiel zu erläutern, so hat man für dieBedeckung des Sterns e Zwillinge durch den Mond am 8ten August 1798folgende Beobachtungen:
Mittlere Ortszeit.
Eintritt. Austritt.
Leipzig . . 1" 35' 17" N- 19' 31"
Ofen ... 1 57 28 2 35 37
Danzig. . 2 1 39 2 46 45
Celle ... 1 27 42 2 13 29
Sucht man daraus mittelst jener Rechnung diejenigen mittlerenOrtszeiten, für welche ein Beobachter im Mittelpunkt der Erde den Mit-telpunkt des Monds eben über jenem Stern sehen würde, so erhält manfür diese Ortszeiten
Leipzig . . 3" 2' 37"
Ofen ... 3 29 14Danzig. . 3 27 38Celle ... 2 53 15
und die Differenzen dieser Zeiten find auch zugleich die gesuchten Dif-ferenzen der geographischen Längen dieser Orte. Nimmt man daher dieLänge von Leipzig oder 0^ 40' 13" von Paris, als bereits bekannt, undso erhält man für die Länge
von Ofen . . 1^ 6' 5V"
Danzig. 1 5 14 ^
Celle .. 0 30 51
Beobachtungen dieser Art geben zwar sehr genaue und sehr gut un-ter sich übereinstimmende Resultate, daher sie auch zu Längenbestimmnn-gen auf dem Festlande vorzugsweise von den Astronomen zu diesemZwecke gewählt werden, allein für den Seemann fallen sie ebenfalls vielzu selten vor, als daß er sich auf sie verlassen könnte, selbst wenn esmöglich wäre, daß ihm die Beobachtungen der anderen schnell genugmitgetheilt werden könnten, um davon zu seinem Zwecke Gebrauchzu machen.
H. 214. (Längenbestimmnngen durch Mondsdistanzen.) Für den Schlf-
')