§. 212. Beschreibung und Gebrauch der astronom. Instrumente. 747
H. 212. (Längcnbesti'mmuugen durch Chronometer.) Wenn man drebisher dargestellten vorzüglichsten Instrumente der neueren Astronomienaher betrachtet, so sielst man leicht, wie sich damit alle Beobachtungen,,deren die Wissenschaft in ihrem gegenwärtigen Zustande bedarf, anstellenlassen. Diese Beobachtungen beziehen sich sämmtlich auf die Durch-gänge der Gestirne durch den Meridian (zur Bestimmung der Zeit, oder,,wenn diese bereits bekannt ist, der Rectascension durch das Mittagsrohr),oder auf die Bestimmung der Höhen (im Meridian zur Kenntniß derDeklinationen durch den Meridiankreis oder den Mauerquadranten, odewaußer dein Meridian zur Zeitbestimmung durch den Multiplikationskreis).oder endlich auf die Bestimmung der Differenzen der Rectascension undDeklination (durch Aequatvriale oder auch durch einfache, aber mit Mi-krometern versehene Fernröhre). Mau hat üb er dieß im Verlaufe diesesWerkes gesehen, wie man, bloß mit Hülfe dieser beobachteten Höhen der-Gestirne die Pvlböhe oder die geographische Breite, die Schiefe derEkliptik u. s. w. finden, und wie man aus diesen und ähnlichen Bestim-mungen die sämmtlichen Elemente der Planetenbahnen durch Rechnung,ableiten kann, z. B. die Lage der Nachtgleichen, die Umlaufszeiten derPlaneten, ihre Knotenlinien, Neigungen, ihre Entfernungen.
Noch ist uns übrig zu sagen, wie man mittelst derselben Instru-mente auch die geographische Länge seines Beobachtungsortes be-stimmen kaun, dieses wichtige Element, ohne welches wir nicht wüßten,welchen Punkt der Oberfläche der Erde, oder wenigstens, welchen Punktunseres irdischen Parallelkreises wir bewohnen, und dessen Unkenntnis; be-sonders den Schiffer auf der hohen See in die größten Gefahren brin-gen könnte.
Dem Seemanne, der auf seiner Fahrt in entlegene Gegenden oftnichts als Himmel und Wasser vor sich sieht, muß es nämlich von ^dewäußersten Wichtigkeit seyn, jeden Tag, ja jede Stunde genau zu wissen,,auf welchem Punkte der Oberfläche der Erde er sich befindet, sowohl umvon diesem Punkte aus die rechte Richtung nach dem bestimmten Landeeinzuschlagen, als auch um sich vor Klippen und Untiefendie vielleichtin seiner Nähe sind, zu bewahren. Diese für sein Schiff gefährlichenStellen sind nämlich größtentheils von frühern Seefahrern bereits be-merkt und in ihre Karceu aufgenommen worden. Mau kernig daher diegeographische Länge und Breite derselben, und es ist nun Sache ihrerNachfolger, zu wissen, ob sie in der Nähe solcher Stellen sind, d. ch zuwissen, welches in jedem Augenblicke ihre eigene Länge und Breite ist.
Was nun die Breite oder die Polhöhe betrifft, so ist^ bereits oben(I. H. 44.) umständlich gezeigt worden, wie mau sie durch Beobachtungender Kwhe der Gestirne finden kaun, daher wir uns hier nicht weiter da-bei aufhalten. Nicht so verhält es sich mit der geographischen Länge,die daher hier noch einige Erläuterungen bedarf.
Bemerken wir zuerst, daß mau die geographische Länge eines Ortesin Beziehung auf einen andern bereits bekannten Ort, z. B. auf Paris^kennen wird, wenn man weiß, wie viel es, in Demselben Augenblicke, andiesen beiden Orten Uhr sey. Gesetzt ein Schiffer habe nach einem hef-tigen Sturm, der ihn in ganz unbekannte Gegenden verschlagen, m verersten heitern Stunde, nachdem sich der Himmel wieder aufgeklart hat,seine Breite 8^ in' nördlich und zugleich, durch irgend eine beobachteteHöhe der Sonne oder irgend eines andern Gestirns^ außer dem Meri-dian gefunden, daß seine Uhr, die im Augenblicke dieser Beobachtung 8^26' 56" zeigte, um volle 8" 3' 36" gegen mittlere Sonnenzeit semes ge-