744 Beschreibung und Gebrauch der astronom. Instrumente. §. 209.
vertikaler M befestigt. Auf dieser Platte sind zwei feine Schieber mm"und n>4, zwischen welchen und der Platte sich eine zweite, ebenfallsdurchbohrte Platte, parallel mit jener ersten, mittelst einer feinen Schraube^»10 auf und ab bewegen läßt. Diese zweite Platte ist ebenfalls miteinem horizontalen Faden versehen, der sich, wenn die zweite Plattedurch ihre Schraube bewegt wird, parallel mit dem ersten auf undab bewegt. Diese Schraube trägt bei ihrer Handhabe einen Index b,der, während der Umdrehung der Schraube, auf einer eingetheiltenScheibe 15 herumgeht und dadurch auch z. B. den hundertsten Theil einerUmdrehung dieser Schraube anzeigt.
Wenn diese Schraube, wie hier vorausgesetzt wird, sehr feine unddurchaus gleiche Windungen hat, so wird man dadurch die senkrechtenDistanzen zweier Gestirne sehr genau bestimmen können, wenn einmalder Werth einer ganzen Umdrehung der Schraube bekannt ist. Zu die-sem Zwecke stellt man zuerst beide Fäden 5^ und genau auf einan-der, so daß sie nur einen einzigen zu bilden scheinen, und bemerkt, fürdiesen Stand des beweglichen Fadens, den Ort des Zeigers b auf dereingetheilten Scheibe L. Dann schraubt man den beweglichen Fadenso weit über oder unter den festen Itr, bis beide Fäden irgend ein be-kanntes Gestirn, z. B. die Sonne 4 an ihrem oberen und unteren Randegenau berühren und bemerkt nun wieder den Stand des Zeigers auf sei-ner Scheibe. Gesetzt der Durchmesser der Sonne betrage volle 32 Mi-nuten, und die Schraube machte 4G/4 Umgänge, um diesen DurchmesserZwischen den beiden Fäden des Mikrometers zu fassen, so folgt daraus,wie man leicht sieht, daß ein ganzer Umgang der Schraube 47.7 Secun-den, und daher jeder hundertste Theil derselben <».477 Secunden betrage.Dieß vorausgesetzt sey ein mit einem solchen Schraubenmikrometerversehenes Fernrohr im Meridian so aufgestellt, daß der Faden ttr ho-rizontal und I)L vertikal steht. In dieser Stellung läßt man einenbekannten Fixstern durch das Feld des Fernrohrs gehen und schraubt denbeweglichen Faden t'K auf ihn, so daß der Stern, während er durch dasFeld geht, die ganze Länge dieses Fadens zurücklege. Zugleich beobachtetman auch seinen Durchgang durch den festen vertikalen Faden VL. —Dasselbe thut man nun auch mit dein bald darauf folgenden Planetenund bemerkt zugleich, wie viel Umdrehungen man die Schraube gedrehthat, um den beweglichen Faden von seiner letzten Stelle, wo er denStern traf, auf diejenige zu bringen, wo der Mittelpunkt des Planetendurch ihn ging. Diese Anzahl der Umdrehungen durch 47.7 multiplicirt,gibt sofort die Differenz der Deklinationen beider Gestirne, und dieZwischenzeit, die von dem Appulse des Fixsterns durch den VertikalfadenDbi, bis zu dem des Planeten verflossen ist, gibt die Differenz der Rectas-censivnen beider Gestirne. Da man nun die Rectascension und Deklina-tion des Fixsterns bereits kennt, so erhält man dadurch auch sofort dieRectascension und Deklination des Planeten.
Man sieht, daß man zu solchen Beobachtungen, so wichtig sie auchsind, keines eigenen großen kostbaren Instruments, sondern bloß einesguten Fernrohrs bedarf, von dessen fester Aufstellung während der Dauerbeider Beobachtungen man versichert ist. Wenn man aber mit einemsolchen Fernrohre auch außer dein Meridian beobachten will, wodurchdie Anwendbarkeit desselben offenbar sehr erhöht wird, so wird es vor-theilhaft seyn, ein so eingerichtetes Fernrohr mit einer, wenn gleich nichtmit der größten Genauigkeit gebauten parallaktischen Maschine H. 2»1zu verbinden und dann den früher horizontalen Faden jetzi deinAeguatvr parallel zu stellen, was leicht erhalten wird, wenn man vor