§. 209. Beschreibung und Gebrauch der astronvm. Instrumente. 74-,
nes, sehr deutliches Miniaturbildchen dieses Gegenstandes entwerfe, unddaß man daher in der durch diesen Punkt auf die Are des Fernrohrssenkrechten Ebene mehrere Faden auszuspannen pflegt, durch welche dasGesichtsfeld des Fernrohrs gleichsam in verschiedene Parthien eingetheiltwird. Diese Fäden dieneu zur genauen Bestimmung der Lage der Ge-stirne, die man in dem Augenblicke beobachtet, wo sie von diesen Fädenbedeckt werden.
Bisher haben wir nur die einfachste Gattung dieses Fadennetzeskennen gelernt, nämlich drei oder mehrere senkrechte, unter sich paralleleFäden, die von einem horizontalen geschnitten werden, wo man dannz. B. bei dem Mittagsrohre an den vertikalen Fäden die Rectascensivnund bei dem Meridiankreise an dem horizontalen Faden die Höhe oderdie Deklination der Gestirne zu beobachten pflegt.
Eben so haben wir schon oben gesagt, daß das Hauptgeschäft despraktischen Astronomen eigentlich die genaue Bestimmung der größtmög-lichen Anzahl von Fixsternen in allen Gegenden des Himmels ist. Zwarmüßen wir, bei dem bisherigen Zustande der Wissenschaft, darauf Ver-zicht leisten, diese Fixsterne selbst, ihre Größe, Entfernung und dergl.kennen zu lernen; wir müssen uns begnügen, bloß den scheinbaren Ort,welchen sie am Himmel einnehmen, oder ihre Rectascensivn und Dekli-nation, durch unsere Beobachtungen zu bestimmen. Allein auch diesebloße Ortskenntniß ist für die gesammte praktische Astronomie von demgrößten und wesentlichsten Nutzen. Denn diese Orte dieneu uns als fixeund wohlbekannte Punkte des Himmels, an welche wir alle unsere übri-gen Beobachtungen der Planeten und Kometen und der Sonne selbstgleichsam anreihen, und dadurch auch den scheinbaren Ort dieser letztenHimmelskörper bestimmen. Um diese letzte aber ist es uns bisher alleinzu thun, da sie es sind, die zu dem eigentlichen Haushalte des Sonnen-systems gehören, auf deßen nähere Kenntniß wir, wie jetzt die Sachensieben und wahrscheinlich noch lange stehen werden, alle unsere astrono-mischen Untersuchungen beschränken müßen.
Nehmen wir nun an, wir hätten unserem oben erwähnten Faden-netze eine solche Einrichtung gegeben, daß man damit nicht bloß, wiebisher, die Appulse der Sterne an diese Fäden beobachten, sondern daßman damit auch wenigstens solche Intervalle am Himmel mezsenkönnte, die das Gesichtsfeld des Fernrohrs also z. B. 5 bis 16 Minutennicht übersteigen. Ein solches Netz würde uns, wie man jogleich sieht,bei der Beobachtung jener Planeten und Kometen von dem größtenNutzen seyn; denn nun dürfte man ein mit einem solchen Fadennetzeversehenes Fernrohr nur eben so aufstellen, daß man dadurch einen be-kannten Fixstern sehen kann, von dem man weiß, daß er von dem Pla-neten, den man eigentlich beobachten will, nicht weiter entfernt ich, umauch diesen noch, einige Zeit vor oder nach dem Stern, in dem Feldedes unverrückten Fernrohrs sehen zu können. Dann wird man, Mittelnjener Fäden, bloß die Distanz jener beiden Gestirne von einander mes-sen, um sofort, da der Ort des Fixsterns am Himmel zchon bcrannt ist,auch den gesuchten Ort des Planeren zu erhalten. ^ .
Eine solche Vorrichtung, deren man mehrere ausgedacht hat, ist uu-ter der Benennung des Mikrometers bekannt, da sie, wie man sisht,zur Messuug von bloß kleinen Distanzen (.mx^os klern, meßen)
bestimmt ist. . « . ^
Auf einer in dem Brennpunkte des Fernrohrs ,entrecht auf dre Axe
desselben befestigten und in ihrer Mitte kreisförmig durchbohrten Me,sing-platte, lik (Fig. 114 und 115) ist ein Horizontaler Faden und ein