"7A4 Beschreibung und Gebrauch der astronom. Instrumente. §. 203.
seiner Lage am Himmel nach bekanntes Gestirn beobachten will, nur vondieser Sternzeit die bekannte Nectascenston des Sterns subtrahiren, umden Stundenwinkel (I. H. 28) desselben zu erhalten. Stellt man danndie Alhidade ui^ des Kreises (Fig. 110) auf diesen Stundenwinkelund die Alhidade des Kreises Lil" auf die Poldisianz des Sterns,so »vird man auch das gesuchte Gestirn sofort in dem Felde des Fern-rohrs EI) erblicken. Diese Nectascenston und Poldistanz aber ist für allePlaneten und für viele Tausende von Fixsternen bereits in unseren Stern-katalogen und astronomischen Ephemeriden enthalten, aus welchen manste daher nur, ohne alle Rechnung, nehmen darf, um das gesuchte Ge-stirn auch sofort in seinem Fernrohre sehen und beobachten.zu können.
Wenn aber das Fernrohr sehr lang oder schwer ist, wie bei demSpiegelteleskope, so kann man dasselbe nicht mehr gut mit einer paral-laktischen Aufstellung verbinden. In diesem Falle wird es in Englandzwischen einem starken Gerüste aufgestellt, wie man in Fig. 111 sieht.Hier wird die vertikale Bewegung des Fernrohrs durch die in der Zeich-nung sichtbaren Schnüre, die horizontale aber dadurch hervorgebracht,daß das Instrument sammt seinem Gerüste mittels vier Rollen auf derPeripherie einer kreisförmigen, horizontalen Unterlage, ebenfalls durchSchnüre oder Kurbeln herumgeführt wird. Um und über das Ganzewird ein Thurm mit einem beweglichen Dache erbaut, dessen Oeffnungman auf diejenige Stelle des Himmels bringt, die man eben be-obachten will.
H. 203. (Rektifikation der Aequatorials.) Alles Vorhergehende setztaber voraus, daß das Instrument in allen seinen Theilen so weit berich-tigt ist, daß das Fernrohr, wenn es auf den Stundenwinkel und diePoldistanz eines Sterns gestellt wird, diesen Stern wenigstens in derNähe des Durchschnittes seines Fadenkreuzes, wenn auch nicht genau indiesem Durchschnitte zeige. Dazu werden nun mehrere vorbereitende, dieStellung des Instruments betreffende Rektifikationen erfordert, von wel-chen die vorzüglichsten folgende sind.
I. Soll die Rotationsaxe EE des Instruments in der Ebene desMeridians liegen. 2. Soll diese Are gegen den Horizont um die Pvl-höbe des Beobachtungsortes gegen Nord geneigt seyn. 3. Sollen dieAlhidaden mnck und der beiden Kreise so gestellt seyn, daß der ersteauf Null steht, wenn das Fernrohr nach dem Pole des Aequators ge-richtet ist, und daß auch der zweite auf Null steht, wenn der Kreisoder sein Fernrohr El) in der Ebene des Meridians ist. 4. Soll derKreis I5IZ' mit der Rotationsaxe EE parallel seyn, und endlich soll auch5. die optische Axe des Fernrohrs EI) mit ihrem Kreise LI^ sich parallelbewegen.
Den beiden letzten Forderungen wird man am besten auf folgendeArt entsprechen. — Es wurde bereits oben (H. 201) gesagt, daß dasAeguatorial nichts anderes als ein Höhenkreis ist, dessen vertikale Axe5E man schief gegen den Horizont und zwar mit der Weltaxe parallellegt. Nun wird man sich leicht eine einfache Vorrichtung, etwa nurvon Holz verschaffen, durch welche man das Aeguatorial so aufstellt, daßseine Drehungsaxe EE wieder in seine ursprüngliche oder vertikale Lagezurückkömmt. Dann wird man also wieder einen Höhenkreis haben undan ihm jene beiden Fehler 4 und 5 ganz ebenso berichtigen, wie dießoben (tz. 198) bei dem Höhenkreis gesagt worden ist. Man wird näm-lich dann, nachdem man die Axe I^E durch das oben angezeigte Verfah-ren auf den Horizont genau senkrecht gestellt hat, den Kreis LI)< mitseiner vertikal stehenden Axe LE parallel machen, wenn man die Häng-