§. 202. Beschreibung und Gebrauch der astronom. Instrumente.
lung geht, oder, wenn man lieber will, man beobachtet jetzt die beidenGestirne gleich,am wieder durch ein ruhendes Fernrohr, dessen Feld aber,selbst bei einer ,ehr starken Vergrößerung, einen Durchmesser von fünfbis zehn Graden^hat, wodurch die oben erwähnte Beschränkung in derAuswahl der passenden Sterne beinahe gänzlich beseitiget wird. Auf derSternwarte in Wien werden Beobachtungen dieser Art an dem Aequa-torial von Reichenbach seit mehreren Jahren angestellt, und sie Harmo-niren, wie die 'Annalen dieser Sternwarte zeigen, sehr gut mit den gleich-zeitigen Beobachtungen an dem Meridiankreise, so daß es fortan, wennnur die zur Vergleichung gewählten Sterne genau bestimmt sind, nichtmehr nothwendig ist, die Planeten bloß zur Zeit ihrer Kulmination zubeobachten, sondern daß man sie ganz eben so gut zu jeder bequemenAbendstunde und überhaupt in jedem von der 'Witterung begünstigtenAugenblicke nicht nur, wie in dem Meridian, einmal, sondern selbst wie-derholt beobachten und auch mit mehreren Sternen vergleichen kann.
Aber auch außer den eigentlichen astronomischen Beobachtungen ge-währt das Aequatorial so wesentliche Vortheile, daß diese parallaktischeAufstellung der Fernrohre, wenigstens der größeren, allgemein eingeführtzu werden verdient. Auf welchem Punkt seines Kreises Nil' nämlich dasFernrohr SO gestellt wird, so beschreibt dasselbe, wenn man das Instru-ment um sei-ne große Are SS dreht, einen Kegel, deqen Axe eben dieseLinie SV, d. h. die Welrare selbst ist, oder mit anderen Worten, dasbis an den Himmel verlängerte Fernrohr beschreibt daselbst einen Kreis,dessen Pol zugleich der Pol des Aequators ist. Allein einen ganz ähn-lichen Kreis beschrc-ibt auch jeder Stern am Himmel während seiner täg-lichen Bewegung um die Axe der Erde, woraus also folgt, daß dasFernrohr, wenn es einmal auf einen, dem Pole nahen oder fernen Sterngestellt und dann mittelst seiner Druckschraube bei N an seinem KreisSiS geklemmt wird, nur entweder sanft mit der Hand oder besser miteiner eigenen Vorrichtung um die Axe SV gedreht werden darf, um denStern, den ganzen Tag durch, immer unverrückt in der Mitte des Ge-sichtsfeldes zu erhalten. Ganz anders verhält sich dieß bei einem Fern-rohre, das wie in Fig. 107 aufgestellt ist, oder welches, wie gewöhnlichder Fall ist, bloß eine vertikale und eine horizontale Bewegung hat.Denn da die Gestirne in ihrem täglichem Gange um die Erde keine vondiesen beiden, sondern vielmehr eine kreisförmige Bewegung haben, sogeschieht es nur zu oft, besonders bei stärkeren Vergrößerungen, daß derBeobachter den Stern, wenn er dem Rande des Fernrohrs zu nahe tritt,aus dem Gesichtsfelde verliert, wo er dann oft nicht ohne Mühe wiederaufgesucht werden muß, was bei einem parallaktisch aufgestellten Fern-rohre nie besorgt werden darf.
Dazu kömmt noch, daß diese parallaktische Aufstellung das befte undbequemste Mittel gewährt, die Gestirne selbst bei Tage zu sehen oderauch bei Nacht diejenigen lichtschwachen Gestirne anfzu,uchen, die manmit unbewaffneten Augen nicht mehr bemerken kann. Wenn man z. B.mit einem wie in Fig. 107 aufgestellten Fernrohre Mars oder Jupiteram Tage oder auch die vier kleinen neuen Planeten bei Nacht sehen will,so muß man für die Zeit der Beobachtung ihr Azimut und ihre Höhekennen, die man nur durch um, ländliche Berechnungen finden kann.Stellt man dann die Alhidade des Kreises N auf das Azimut und diedes Kreises im. auf die Höhe oder Zenithdistanz des Sterns, so wirdman den gesuchten Stern in dem Felde des Fernrohrs erblicken. Istman aber im Besitze eines Aequatorials oder einer paratlaktijchen Ma-schine, so wird man für jede gegebene Sternzeit, in welcher man ein