724 Beschreibung und Gebrauch der astrviwm. Instrumente. §. 197.
worden sind, lassen über die Vorzüglichkeit dieses Gebrauches keine
Zweifel mehr übrig.
Man hat aber, in früheren Zeiten wenigstens, geglaubt, daß diesesInstrument wesentlich gewinnen würde, wenn man ihm eine Einrichtunggeben könnte, durch welche man die Beobachtungen desselben verviel-fältigen und sie auf diele Weife von den meisten derjenigen Fehlerunabhängig machen würde, denen jede einzelne, isvlirte Beobachtung ihrerNatur nach, ausgesetzt seyn muß. Hieber gehören z. B. vorzüglich dieFehler der Theilung. Diese Fehler waren in der That, in der Mittedes vergangenen Jahrhunderts, bei den meisten Instrumenten noch sogroß, daß der berühmte Tobias Mayer, der dieses Prinzip der Multi-plikation der Beobachtungen zuerst aufgestellt hat, der beobachtendenAstronomie einen für seine Zeit sehr wesentlichen Dienst erwiesen hat.Allein seitdem haben sich die Umstände so sehr geändert, und die Theilungder Instrumente ist, besonders durch Reichenbach, selbst bei den kleinenKreisen, zu einer so großen Vollkommenheit gebracht worden, daß diesefrüher nothwendige oder doch wohlthätige Einrichtung jetzt nicht nurüberflüssig, sondern seligst schädlich erscheint, indem dadurch eine Mengeneuer Fehlerquellen geöffnet werden, die vorzüglich von der geringerenStabilität des Instruments bei den Multiplikationen entspringen; dieoft bedeutend größer sind, als die der etwa noch unrichtigen Theilung,welche man dadurch wegbringen null, und die endlich dem Gebrauch desInstruments, für den Beobachter sowohl als für den Berechner dieserBeobachtungen,^ so unbequem und Zeit raubend machen, daß darin be-sonders die Ursache gesucht werden muß, warum die multiplicirendenInstrumente selbst unter den deutschen Astronomen, die sich doch vonjeher durch ihren beharrlichen Fleiß ausgezeichnet haben, lange nicht dieFrüchte getragen haben, die man von anderen Instrumenten z. B., fürdie Verfertigung größerer Sternkataloge, in so reichem Maaße erhalten hat.
Deffenungeachtet mag es zweckmäßig erscheinen, hier wenigstens dasVorzüglichste von dieser Behandlungsart der Instrumente, die so langeals die bestmögliche gegolten hat, ziir,Kenntniß unserer Leser zu bringen.
Wir haben oben vorausgesetzt, daß der äußere, die Theilung tra-gende Kreis 11 n, an den Fußgestellen bl! des Instrumentes fest undunveränderlich angebracht sey. Nehmen wir nun an, daß auch er, sowie der innere Kreis >u >1», sich um seine horizontale Are KN bewegenlaffe, und daß der äußere Kreis, mittelst einer eigenen Druckschraubean dieses Fußgeftelle, so wie der innere durch seine Druckschraube an denäußern Kreis befestiget werden könne. Bei dieser Einrichtung wird manalso, wenn man die Druckschraube des äußern Kreises anzieht, und dafürdie Schraube des inneren Kreises lüftet, bloß den inneren sammt seinemFernrohre bewegen, wie wir dieß bisher gethan haben. Wenn man aberim Gegentheile die Druckschraube des inneren Kreises feststellt und dafürdie des äußeren öffnet, so wird man beide, jetzt mit einander verbundeneKreise, zugleich um ihre gemeinschaftliche horizontale Ave .Vtt bewegenkönnen. Auf diese abwechselnde Bewegung des inneren Kreises um denfesten äußeren und der gemeinschaftlichen beiden unter sich verbundenenKreise beruht das erwähnte Princip der Multiplikation, welches wir nunsogleich näher angeben wollen.
Man stellt zuerst den inneren Kreis durch seinen Vernier auf irgendeinen bestimmten Theilstrich, z. B. auf Null-Grad des äußeren Kreisesund befestiget jenen auf diesem durch seine Druckschraube. Dann öffnetman die Druckschraube des äußeren Kreises und dreht beide Kreise zu-gleich um ihre horizontale Axe bis das Gestirn im Felde des Fern-