Beschreibung und Gebrauch der astronom. Instrumente. §. ,76.
Nach diesen vorausgeschickten Bemerkungen über das Fernrohr wirdes nun leicht seyn, die Einrichtung und den Gebrauch der damit verse-henen Instrumente zu übersehen.
§. !76. (Mittagsrohr.) Wir haben bereits oben erinnert, daß derQuadrant, selbst der Mauerquadrant, seiner Conftruction nach, nicht ge-eignet ist, die Feit oder die Rectascension der Gestirne unmittelbar undmir der nöthigen Schärfe zu geben, vorzüglich ans dem Grunde, weildiese Instrumente nur selten oder gar nicht eine vollkommene Ebene,ohne Wellen und Biegungen, bilden, daher sie auch nie als genau in derEbene des Meridians stehend angenommen werden können, wie dieß docherfordert wird, wenn man an ihnen den Durchgang der Gestirne durchden Meridian beobachten soll.
Der berühmte dänische Astronom Olaus Römer ist der Erfinder des-jenigen Instruments, welches zu jenem Zwecke noch beute mit Recht alsdas geeignetste angesehen wird. Er stellte dasselbe auf der von ihm inKopenhagen erbauten Sternwarte auf, und die zahlreichen Beobachtungen,welche er an demselben anstellte, zeugten von der Zweckmäßigkeit "desneuen JnftMments. Dasselbe ist in Flg. abgebildet, nnd allgemeinunter dem 'Namen des Mittagsrohrs (Paqageninstrumenr) bekannt.
Eine horizontale Are .sk! von Metall liegt mit ihren beiden äußerstencylindrischen Enden ö, um die sich diese Axe drehen läßt, in solidenPfeilern N, H von Stein, und durch die Mitte N dieser Drehungsaxegeht das Fernrohr < in einer auf die A,re senkrechten Stellung. Wirddaher die Rotationsare genau in den Horizont und in die Richtungvon Ost nach West gebracht, so liegt das Fernrohr in der Richtung vonSüd nach Nord, und geht, wenn es um die Axe gedreht wird, inder Ebene des Meridians, auf und nieder, so daß man also nur dieDurchgänge der hohen und niedern Sterne durch dieses Fernrohr aneiner Uhr beobachten darf, um sofort auch die Uhrzeiten des Durchgangsdieser Sterne durch den Meridian, d. h. um die Uhrzeiten ihrer Eulmi-nationen zu erhalten.
Man sieht schon aus dem ersten Anblicke des Instruments, daß es,wenn es anders mit einiger Vorsicht gebaut und aufgestellt ist, eine vielgrößere Stetigkeit und Sicherheit gewährt, als man von einem Qua-dranten je erwarten kann.
Um das Fernrohr auf die schon sonst bekannte mittägige Qöhe desSt erns, der eben durch den Meridian gehen soll, zu stellen, ist'an demeinen Ende ^ der Drehungsaxe ein Halbkreis angebracht, der ineiner auf diese Are senkrechten Lage an dem Pfeiler U befestiget ist.Concentrisch mit ihm ist ein Zeiger oder eine Alhidade dem Fern-rohre Ev parallel, an dem^Ende .ä der Axe angebracht. Diese an ihremEnde 0 mit einem feinen Striche versehene Alhidade Ico bewegt sich alsosammt dem Fernrohre um die Axe und zeigt durch ihren Strich andem Kreise mir die Qvbe des zu beobachtenden Gestirns bloß in ganzenMinuten an, da dieß hinreicht, das Gestirn in das Feld des Fernrohrszu bringen.
Die beiden Enden .V und V der Axe liegen jede auf einer doppelten,starken Metallplatte ans, die in der Zeichnung durch Vierecke angezeigtsind. Der eine Theil jeder Platte ist an dem Pfeiler fest, und der andere,der eigentlich die Axen-Enden I und I! trägt, läßt sich durch Schraubenan dem ersten hin und wieder bewegen, und zwar der eine bei V senk-recht auf und ab, und der andere bei U, horizontal vor- und rückwärts.Die letzte setzt uns demnach in den Stand, die Drehungsaxe genau indie Richtung von Ost nach West, d. h. das aus die Axe senkrechte Fern-