684 Beschreibung und Gebrauch der astronom. Instrumente. z. 175.
konnte sie daher anest viel genauer beobachten; aber da man sie in demMittelpunkte des Feldes des Fernrohrs beobachten mußte, und dadoch dieser Mittelpunkt durch nichts ausgezeichnet war, sondern gleichsamnur errathen oder geschätzt werden mußte, so waren Mißgriffe und selbstbedeutende Beobachcungsfehler nicht wohl zu vermeiden, besonders wenndas kreisrunde Feld der Fernrohre, wie dieß bei den früheren Instru-menten in der That der Fall war, einen größeren Umfang hatte. Ausdieser Ursache wollte auch einer der vorzüglichsten praktischen Astronomenjener Zeit, Hevelius in Danzig, diese neuen Instrumente bei seinen Beob-achtungen gar nicht anwenden, und er ging, durch den Widerspruch deranderen gereizt, sogar so weit, daß er die Fernröhre als ganz unbrauchbarbei den Beobachtungen erklärte, weil sie, wie er sagte, den Ort der Ge-genstände, die man durch dasselbe betrachtet, verschieben, so daß man siedurch das Fernrohr an einer ganz andern Stelle, als mit freien Augensehen soll.
Ein Mittel, die Gestirne durch das Fernrohr genauer zu pvintiren,als die bisherige, unbestimmte und unverläßliche Stellung depelben inden Mittelpunkt des Feldes — dieses Mittel also mußte noch gesundenwerden, wenn anders das neue Instrument die eigentlichen astronomischenBeobachtungen in der That wesentlich fördern sollte. — Es muß auffallenderscheinen, daß dieses Mittel, das doch uns jetzt so nahezu liegen scheint,so lange verborgen bleiben konnte. -
Noch vor wenig Jahren war man der allgemeinen Meinung, daßPicard in Frankreich, einer der ausgezeichnetsten theoretischen und prakti-schen Astronomen, dieses Mittel zuerst gefunden habe. Auch kam erwohl ohne fremden Beistand auf diese, Idee, die er, wie es scheint, schonseit dem Jahre 1667 bei seinen Beobachtungen angewendet hat. Alleinschon über zwanzig Jahre früher, i. I. 161V, machte Gascoigne in Eng-land dieselbe Entdeckung, und ihm muß daher auch die Ehre derselbenvorbehalten bleiben.
Wenn man nämlich einen Gegenstand, z. B. einen Faden in dieNähe des Brennpunktes (Fig. ivv) der beiden Linsen eines Fernrohrsbringt, so sieht man denselben durch das Ocular dG desto reiner, undselbst wenn er weiß, z. B. ein Silberfaden ist, desto schwärzer, je näherer jenem Brennpunkte gebracht wird. Stellt 'man dann das Fernrohrso, daß irgend ein terrestrisches Object, z. B. die wohlbegränzte Ecke einerManer, den Faden eben berührt; bewegt man dann das Auge vor demOculare so weit als möglich, rechts und links oder auf und ab, undbleibt der Faden in allen diesen Lagen des Auges immer genau Tangentezum Objecte, so ist dieß eben das beste Zeichen, daß der Faden selbst imBrennpunkte des Fernrohrs, d. h. in demjenigen Orte desselben steht,wo von der vordern, größern Linse des Fernrohrs das kleine Miniatur-bildchen des Objectes entworfen wird, von dem wir oben gesprochen ha-ben. Was aber hier von dem terrestrischen Objecte gesagt ist, gilt auchvon den Gestirnen. Hat man daher durch diesen Brennpunkt in einerauf die Ape der beiden Linsen senkrechten Ebene zwei Fäden ge-spannt, die sich unter rechten Winkeln durchkreuzen, so wird man, ebendurch den Durchschnittspunkt der beiden Fäden, einen festen und unver-änderlichen Punkt des Feldes haben, mit welchem man die Lage der zubeobachtenden Sterne bequem und sicher vergleichen kann, indem mannämlich bei jeder Beobachtung, durch eine angemessene Bewegung desFernrohrs den Stern nur immer in diesen Durchschnittspunkt der beidenFäden zu bringen sucht. Man wird sich dabei leicht eine einfache Vor-richtung, z. B. einen im Innern des Fernrohrs angebrachten Ring den-