^>2 Beschreibung und Gebrauch der astronom. Instrumente. §. 174.
gen in jenen zwei Beziehungen mehr verschiedenen Glasart bat man be-reits i. I. 1827 theoretische Untersuchungen über die aus solchen Glasgat-tungen bestehenden Fernrohre angestellt, und gefunden "), daß bei ihnendie beiden Linsen, ans welchen das Objektiv besteht, nicht mehr nahe imKontakt, sondern^ daß sie in beträchtlicher Entfernung von einander ge-stellt werden müssen, um ihre größte Wirkung zu äußern, so zwar, daßdie zweite Ln'.se bei günstigen Verhältnissen der Glasarten, nahe in dieMitte des ganzen Fernrohrs zn stehen kömmt. Wegen dieser Trennungder beiden Objektivlinseu bat man diese Fernröhre dialytische genannt.Der bereits erwähnte treffliche Optiker Plößl in Wien hat auch bereitsmehrere derselben ausgeführt, die nach dem einstimmigen Urtheile derKenner die bisherigen achromatischen Fernröhre von gleichen Dimensio-nen weit übertreffen. Da ihm, so Aste überhaupt allen optischen Künst-lern, jene neuen Glasarten noch fehlen, so hat er den Versuch gemacht,die zweite, innere Linse, die aus der neuen Glasart verfertiget werdensollte, durch eine eigens construirte Doppellinse von Krön- und Flint-glas zu ersetzen, und obschon der Versuch sehr glücklich ausfiel, so würdedoch, wie man nicht zweifeln kann, eine einfache Linse, und vielleicht ambesten eine solche einfache, biconcave Linse, deren Glas die zu diesemZwecke erforderlichen Eigenschaften im hohen Grade besäße, noch glän-zendere Resultate geben. Die Vortheile, welche diese dialytischen Fern-röhre gewähren, bestehen vorzüglich darin, daß die zweite oder die in-nere Linse bis auf ihre Hälfte und selbst darüber verkleinert wird, wo-durch die Bereitung homogener Stücke dieses Glases sehr erleichtert, undder bisherige hohe Preis dieser Instrumente sehr vermindert wird; daßferner die Lange der Fernröhre durch die neue Einrichtung bedeutend,selbst bis auf die Hälfte derselben, vermindert werden kann, wodurchnun auch Objektive von acht, zehn oder mehr Zollen im Durchmesseran unseren eigentlichen astronomischen Meßinstrumenten angebracht wer-den können, was bisher, wegen der zn großen Lange solcher Fernröbre,nickt gut ausgeführt werden konnte, und daß endlich dadurch diese neuenoptischen Instrumente an Schärfe und Lichtstärke sehr gewinnen, weildie Lichtstrahlen, nach ihrem Durchgange durch die»zweite Objektivlinse,sich unter viel größeren Winkeln als bisher zu dem Bilde vereinigen,und dadurch dem Bilde selbst mehr Präcision und eine schärfere Be-granznng geben.
Auch die frühere Idee Eulers, statt der Gläser besondere Flüssigkeiten zuwählen, hat man in den neueren Zeiten auszuführen gesucht. Blair undBrewster i. I. 18IZ in London, Girard 1822 in Wien, Barlow 1828 undnahe um dieselbe Zeit auch Rogers in Edinbnrg haben solche Versuche ange-stellt, die, nach den darüber erhaltenen Nachrichten, sehr glücklich ausgefallensind. Zn diesen aplanatischen Fernröhren, wie man sie nennt, hatBrewster das ätherische Oel von Cassia und Sapafräs, später aber vor-zugsweise Schwefelalkohol (.«iuV'm'kt, yt' eai-lxm) vorgeschlagen, welchenletzteren auch Barlow anwendet. Girard soll Terpentinöl, und Marv inGöttingen Kreosot zu den aplanatischen Objectiven gebraucht haben. InBarlow's erstem Fernrohre dieser Art hat das vordere Objectiv vonKronglas 6 Zoll Durchmesser und 4 Fuß Brennweite — die Flüssigkeits-, linse steht von jenem 24 Zoll ab — und hat einen Durchmesser von bloß3 Zoll. Ein späteres von demselben Künstler verfertigtes hat eine Oeff-
'') Zeitschrift Physik und Mathematik von Baumgartner. Wien. Band lV.S. 257, und neue Folge. Band !ll. S. 57.