§. 174. Beschreibung und Gebrauch der aftronom. Instrumente.
da er Newton's Ansicht, dasi fehlerfreie Refractoren ganz unmöglichwären, auch zu der seinigen gemacht hatte.
Erst im Jahr 1754 zeigte Klingenstierna, ein ausgezeichneterschwedischer Geometer, dasi Newton sich in seinem Schlüge geirrt habe,und dadurch aufgemuntert, nahm Dollvnd seine früheren Versuche wie-der vor. Allein statt der Flüssigkeiten, die Euler vorgeschlagen hatte,wählte er zwei verschiedene Glasarteu, die in England unter dem Na-men des Krön- und Flint-Glases bekannt sind. Mehr durch eine Artdunklen Gefühls, als durch mathematische Schlüsse, deren Hülfe er nichtzu Rathe ziehen konnte, fand er endlich, daß sich der Zweck, ein fehler-freies Objektiv zu erhalten, dadurch erreichen lasse, dasi man dasielbe auszwei nahe an einander gestellten Linsen, einer biconveren von Kronglasund einer cvncaven von Flintglas zusammensetzte. So gelang es ihmnach vielen darüber angestellten Versuchen i. I. 1758, das erste achro-matische Fernrohr von fünf Fuß Länge zu Stande zu bringen. Es wurdemit allgemeinem Beifall aufgenommen, da es in seinen Wirkungen diebesten bisher bekannten Fernröhre von viel größerer Länge mit übertraf.Er verwendete die letzten drei Jahre seines Lebens zur Vervollkommnungseiner Entdeckung, die er noch sehr weit zu führen die gewisse Hoffnunghatte , und überließ sie endlich seinem Sohne Peter Dollvnd, der ihr inVerbindung mit Ramsden die Voltendung gab, die wir am Ende desverflossenen Jahrhunderts an diesen Instrumenten zu bewundern Gelegen-heit hatten.
Euler im Gegentheile, der anfangs an die glücklichen Erfolge desenglischen Künstlers kaum glauben konnte, da er die Brechbarkeic undFarbenzerstreuung jener zwei Glasarten für viel zu wenig verschiedenhielt, um darauf so große Wirkungen zu gründen, suchte, als er diemechanische -Ausführung der achromatischen Fernröhre nicht weiter be-zweifeln konnte, nun auch von seiner Seite die Theorie dieser Instru-mente zu fördern. Er machte die Resultate seiner Untersuchungen in denMemoiren der Akademie zu Berlin und Petersburg, und endlich ineinem eigenen, größeren Werke, in seiner Dioptrik (Petersb. 1769), öf-fentlich bekannt. Seitdem haben wir von Clairaut, d'Alembert, Klügelu. a. mehrere treffliche Bearbeitungen dieses Gegenstandes erhalten.
In den neueren Zeiten haben sich unter den optischen Künstlernvorzüglich Fraunhofer in München und Plößl in Wien ausgezeichnet.Die größte Schwierigkeit, die sich der Verfertigung vollkommener Ob-jektive von bedeutendem Umfange entgegensetzt, besteht in der Berei-tung großer Stücke reinen, welleufreien Glases, besonders des Flintgla-ses, welches, wegen der dabei nothwendigen Beimischung von Blei, nurselten in ganz gleichförmigen homogenen Magen erhalten werden kann.Auch sind die Verhältnige, mit welchen jene zwei Glasarteu die Licht-strahlen brechen, in der That sehr wenig von einander verschieden, da sienur zwischen den engen Gränzen von lJ,<> und iNo enthalten sind. Nochenger sind die Gränzen für die Farbenzerstreuungen dieler beiden Glas-arten. Es ist aber keinem Zweifel unterworfen, dajz andere Glasgat-tungen, welche, in diesen beiden Beziehungen, größere Verlcbiedenheithätten, auch viel bessere Mittel zur Fertigung vollkommener Fernrohredarbieten würden, da auf diesen Verschiedenheiten die Aufhebung derbeiden oben erwähnten Fehler vorzüglich beruht. Da das Blei in größe-rer Quantität sich nicht gut mit den übrigen Bestandtheilen des Glajes-zu einer homogenen Masse vermischt, so hat man verichiedene andereBeimischungen von Zink, Wismuth, Baryt u. s. w. zu diesem Zwecke,vorgeschlagen. Unter der Voraussetzung einer solchen, von den bisheri-