67-4 Beschreibung und Gebrauch der astronom. Instrumente. §. 172.
in Holland, die Beide diese Entdeckung nahe um dieselbe Zeit gemacht
haben sollen. -
Ein Stück Kieselerde mit Potasche vermischt, und ein Spiel derKinder eines Brillenmachers vssnele uns also zwei neue, unbekannteWelten! — Dieses zufällige Spiel lehrte uns mit dem mikroscopischenAuge der Milbe die Blüthentheile der Moose, das kunstreiche Gewebeund den Farbenschmelz der Schmetterlingsflügel und jene Geschöpfe er-blicken, die, den Wassertropfen zu Tausenden bewohnend, heerdenweisedurch das Oehr einer Nadel ziehen , während sie uns zugleich mit denAugen eines höheren Wesens die fernsten Gränzen unseres Planetensy-stems betrachten, und selbst weit jenseits dieser Gränzen die zahllosenWunder des Himmels kennen lehrte, gegen welche alles, was uns hierunten groß und mächtig erschien, nur als ein bedeutungsloses Nichtsverschwindet. Gewiß ein merkwürdiges Beispiel, das uns zugleich erhe-ben und demüthigen, das uns aber auch auffordern muß, keine, auchnicht die geringste Erscheinung der Natur zu vernachlässigen, da sie, wennauch anfangs unbedeutend scheinend, doch immer einen Ring mehr inder Kette unserer Kenntnige bilden kann, und daher als ein,.Schatz vonbisher unbekanntem Werthe zu dem großen Borrathe anderer Schätze,und zu demjenigen Erbe gelegt werden soll, welches wir unsern Nach-kommen mit der Hoffnung überlassen können, daß Zeit und Glück einsteinen späten Enkel begünstigen und die Kostbarkeit des hinterlegtenPfandes zu Tage fördern wird.
H. 172. (Brechung der Lichtstrahlen durch eine Linse.) Um die Ein-richtung eines Fernrohrs näher kennen zu lernen, wird es angemessenseyn, zuerst die Art zu untersuchen, auf welche die Lichtstrahlen von einerGlaslinse gebrochen werden. Wir betrachten hier nur sogenannte bicon-vexe Linsen NiX (Fig. 99), die auf beiden Seiten erhaben geschliffen, undStücke von zwei gleichen oder auch verschiedenen Kugeln sind, deren Mit-telpunkte irgendwo in derselben geraden Linie liegen, welche Linieauch die Are der Linse heißt.
Eine solche Linse ist also ein gemeines Brenn glas, das Jeder-mann kennt und auch zu brauchen weiß. Wenn man nämlich die eineder beiden Flächen dieses Glases der Sonne aussetzt, so daß die Strah-len derselben nahe senkrecht auf diese Fläche fallen', so bemerkt man aufder anderen Seite der Linse, in einiger Entfernung von ihr, einen klei-nen, runden, lichten Kreis, den man den Brennpunkt der Linse nennt,weil er in der That eine große Hitze äußert und die Gegenstände, aufdie er fällt, in Brand setzt. Dieser Brennpunkt liegt aber, wie mansich leicht überzeugen kann, immer in der Are der Linse und ist inder That nichts anderes, als das Bild der Sonne, wie man deutlich sehenkann, wenn man dieselbe Linse vor die Oeffnung eines verfinsterten Zim-mers stellt, und auf der inneren Veite, in derselben Entfernung von derLinse, eine weiße Tafel vorstellt, wo sich dann von den entfernten äuße-ren Gegenständen, z. B. von den andern Häusern der Stadt, die Bil-der derselben auf der Tafel zeigen. Je weiter jene Häuser von derLinse entfernt sind, desto deutlicher erscheinen ihre Bilder, wenn die Ta-fel in der That eben so weit, wie oben bei der Sonne, von der Linseabsteht, während die näher stehenden Häuser undeutlich, und endlichganz unkenntlich werden. Wir müssen daher annehmen, daß die vonden entfernten Gegenständen ausgehenden, und die ganze Vordersiächeder Linse bedeckenden Lichtstrahlen, bei dem Durchgange derselben durchdie Linse gebrochen, und hinter der anderen Seite der Linse so vereini-get werden, daß alle diejenige Strahlen, welche von einem bestimmten