Druckschrift 
Die Wunder des Himmels oder gemeinfaßliche Darstellung des Weltsystems
Entstehung
Seite
672
Einzelbild herunterladen
 

l»72 Beschreibung und Gebrauch der astronom. Instrumente. i?>.

F

der schwierig war es, das Fernrohr in allen seinen Lagen der Ebene desQuadranten genau parallel zu machen, und die zwei letzten Ursachenmachten das 'Instrument zur Beobachtung der absoluten Zeitbestimmungoder der Nectaseension in der Ebene des Meridians nicht in dem Maßegeeignet, welches die so weit vorgerückten Bedürfnisse der Wissenschaftzu erfordern schienen. Wegen der Unbeweglichkeit des Instruments wa-ren die Rectificationen desselben beschwerlich und unsicher. Endlich wa-ren sie, eben wegen ihrer Größe, den Einwirkungen der Temperakur zusehr ausgesetzt. Die höheren Theile des Obseroationszimmers sind ge-wöhnlich wärmer, als die näher an dem Fußboden liegenden, wodurchdas Instrument oben mehr als unten, und überhaupt in seinen verschie-denen Theilen verschieden ausgedehnt wird, was auf die damit angestell-ten Beobachtungen einen um so nachtheiligeren Einfluß haben muß, jeschwerer es ist, diese Ausdehnung zu bemerken oder von ihren Wirkun-gen Rechnungen zu tragen.

Diese Schwierigkeiten, mit denen die neueren Astronomen zu kämpfenhatten, entsprangen vorzüglich aus der Entdeckung eines neuen Instru-ments, durch welches unser edelster Sinn wunderbar erhöht, und unsereKenntniß der Erde und des Himmels auf eine Weise erweitert wurde,von welchen sich die Alten keine Vorstellung machen konnten.

Die Ausbildung und Vervollkommnung der -Astronomie in ihremganzen Umfange hängt nämlich vorzüglich von drei Gegenständen ab.Erstens von dem Grade der Genauigkeit, mit welcher wir die äußerenObjekte dieser Wissenschaft, die himmlischen Körper, sehen können. Wasman nicht oder doch nicht deutlich sieht, kann man auch nicht oder dochnicht genau beobachten. Mit freien Augen unterscheiden wir Winkel,die mehrere Minuten unter sich verschieden sind, nicht mehr, also wirdauch ein Beobachter mit unbewaffnetem Auge für eine und selbst fürmehrere Minuten nicht mehr gut stehen können. Dieß war der Fall deralten Griechen und Araber und überhaupt aller Astronomen, die mit denneuern Mitteln, die Schärfe unseres Auges zu stärken, unbekannt waren.

Als wir durch eine der glücklichsten Entdeckungen, die dem mensch-lichen Geiste je gelungen ist, dahin gekommen waren, Gegenstände amHimmel zu sehen, die uns wegen ihres zu geringen Umfanges früherganz unbemerkbar waren, so mußte es unsere nächste Sorge seyn, nunauch unsere Instrumente so einzurichten, so zu vervollkommnen, daß mandamit die Großen, die man nun sehen konnte, auch zu messen imStande war. Wir sahen jetzt die Durchmeger der Planeten, ihre Win-kelabstände von den Fsrsternen, ihre Höhen über dem Horizonte oderüber dem Aequator bis auf einzelne Secunden genau, und daraus mußteunmittelbar der Wunsch entstehen, diese Gegenstände auch eben so genaubis auf die einzelne Secunde messen zu können.

Nachdem endlich auch diese Forderung erfüllt war, nachdem durchdie vereinigten Bemühungen der größten Künstler des verflogenen Jahr-hunderts unsere Meßwerkzeuge eine Genauigkeit erhalten hatten, daß siemit jener wunderbaren Verschärfung unseres Auges gleichen Gang hielten,d.h. nachdem unsere optischen sowohl, als auch unsere messendenInstrumente auf einen so hohen Grad der Vollkommenheit gebracht waren,blieb noch eine andere, dritte Gattung von Instrumenten, das Werk-zeug des Geistes, wenn man so sagen darf, blieb noch die mathema-tische Analysis übrig, die nun ebenfalls aus dem Zustande der Kind-heit, in welchem sie uns von unseren Vorgängern überliefert wordenwar, zu der Höhe gebracht werden mußte, in welcher sie die beiden an-deren großen Hülfsmittel der Wissenschaft kräftig unterstützen, oder viel«