§. l63. Beschreibung und Gebrauch der astronom. Instrumente.
wir bereits früher (Z. H. 49) gesprochen haben. Er besteht in einer aufden Horizont vertikal stehenden Säule und ist vorzüglich zn Sonnenbeob-achtnngen bestimmt. Indem man nämlich die Länge des Schattens mißt,welche diese von der Sonne beschienene Säule auf den horizontalen Bo-den wirst, auf welchem sie steht, kann man daraus und aus der bekann-ten Länge der Same selbst die Höhe der Sonne finden, wie an dem er-wähnten Orte gezeigt worden ist.
Die Alten beobachteten die Sonne am Gnomon vorzüglich zur Zeitder beiden Volstmen (I. H. 42) oder im Anfange des Sommers und desWinters, wo die Sonne im Btittage am höchsten oder am tiefsten steht,um daraus die wahre Größe der Schiefe der Ecliptik (I. H. 48) abzu-leiten. Wir haben bereits an dem angeführten Orte die älteste Beob-achtung an dem Gnomon, und überhaupt die älteste aller astronomischenBeobachtungen, die auf uns gekommen ist, angeführt, die in dem Jahre1100 vor Chr. Geb. in China gemacht und uns von dem Jesuiten Gau-bil mitgetheilt worden ist. Verbinden wir damit noch eine andere, dieebenfalls durch ihr hohes Alterthum ausgezeichnet ist. Der GriechePytheas, der durch seine astronomischen Kenntnisse und durch seine zurVerbesserung der Geographie unternommenen großen Reisen bei den Altenin hohem Ansehen stand, beobachtete in Marseille im Jahre 32g vorChr. G. (drei Jahre vor dem Tode Alexanders des Großen) zur Zeit desSommersotstitiums die Sonne an einem Gnomon, dessen Höhe 42g unddessen mittägige Schattenlänge 4lssz Fuß betrug. Daraus folgt die Höheder Sonne gleich 79" 48' oder genauer 79° 32', da man den Schattendes Gnomons, wegen dem Halbmesser der Sonne, der 26' beträgt, znkurz beobachtet hat. Nimmt man davon die schon aus anderen Beob-achtungen bekannte Aequatorhöhe von Marseille, die gleich 46° 42' ist,weg, so erhält man für die gesuchte Schiefe der Ecliptik zur Zeit desPytheas 23° 50', während sie in unsern Tagen 23° 28' beträgt, so daßsie also seit 2150 Jahren um 22 Minuten abgenommen hat, übereinstim-mend mit dem, was früher (st. §. 50) von dieser Abnahme gesagt wor-den ist.
Statt bloß das Ende des Schaltens zn beobachten, der wegen derihn umgebenden Halbschalten immer schlecht begränzt ist, wird man besseran der höchsten Spitze des Gnomons eine Metallplatte mit einer kleinenrunden Oeffnung anbringen, und dann, statt jenen Schatten, dfe Entfer-nung des Fußpnnktes des Gnomons von denr^ durch diese Oeffnung aufdem Boden projicirten Bilde der Sonne messen. Die alerandrinischenGriechen, unter ihnen besonders Eratvsthenes. so wie auess früher schondie Aegyptier und Chinefer, bedienten sich häufig dieses einfachen Instru-ments, zn welchem sie gleichsam schon von der Natur selbst angewiesenwurden, wenn sie die abwechselnde Schattenlänge der Berge, Bäume oderThürme bemerkten.
Unter der Regierung des Kaiser Augustus wurde der große Obelisk,voissli7 röm. Fuß Länge, den Sesosiris im Jahr 967 vor Chr. G. inAegypten errichten ließ, nach Rom gebracht, und daselbst, unter der An-leitung des Manlius, auf dem Marsfelde aufgestellt, um daran, wiePImm8 II. N. lR>. 36. sagt, die Bewegungen der Sonne zn beob-achten; er wurde also mehr als eine Art von Sonnenuhr gebraucht,um daran wenigstens den Augenblick des wahren Mittags zu erkennen.Coschuking errichtete i. I. 1278 einen Gnomon von 40 Fuß in Pekingund Ulug Beigh i. I. 1430 einen andern in Samarkand von 165 Fuß.
In den letzten Jahrhunderten unserer Zeitrechnung haben sich besonLitlrow. ^ 2