YAZ Beschreibung und Gebrauch der astronomischen Instrumente. §.
sind, folgsam dem Rufe ihrer Berechner, an dem bestimmten Tage zuuns herab gekommen, und sie werden, so lange sie denselben Gesetzen ge-horchen, auch in der Folge der Zeiten wieder kommen, und zwar aufderselben Straße wieder kommen, welche ihnen die Astronomen durch ihreBerechnungen vorzeichnen. — Und was soll man endlich von denjenigennicht minder gewissen Vorherbestimmungen sagen, mit welchen uns dieGestalt und die gegenseitige Lage der Planetenbahnen, eine Folge ihrerStörungen unter einander, verkündet wird, Veränderungen, welche zueiner Zeit statt gehabt haben, die dem Anfange unserer Menscheugeschichteweit vorhergeht, oder die, erst nach neuen Jahrtausenden, unsere spätenEnkel sehen und durch eigene Anschauung bestätiget finden werden ?
Aber wie ist man zu allen diesen Kenntnissen gekommen? Wie istes dem menschlichen Geiste möglich geworden, sich bis zu dieser Höhe zuerheben, und in dieser Wissenschaft, der schwersten unter allen, eine Ge-nauigkeit zu erreichen, die ihm in beinahe allen andern für immer ver-sagt zu seyn scheint? Welches sind die Mittel, deren er sich bediente?Welches sind die Instrumente, und welcher Art ist ihr Gebrauch,um damit diesen Zweck, und diese in allen andern Wissenschaften unüber-troffene Schärfe in ihren Beobachtungen zu erreichen ? Denn auf Beob-achtungen muß doch am Ende alles beruhen, und von ihnen muß allesausgehen, was uns zur Kenntniß der Dinge außer uns, was uns zurKenntniß der Natur führen soll.
Es wird nicht uninteressant, ja es wird nothwendig seyn, diese In-strumente und die Art ihres Gebrauches kennen zu lernen, weil es nurdadurch möglich wird, die Wahrheit der Theorien, welche auf den mitdiesen Instrumenten gemachten Beobachtungen erbaut wurden, zu erken-nen, und dadurch den Grad der Verläßlichkeit zu beurtheilen, der ihnenzukömmt. In der That ist wohl jede unserer Beobachtungen, welcherArt sie auch seyn mag, wie überhaupt jedes Menschenwerk, Fehlern un-terworfen; diese Fehler mögen ihre Quelle in der Beschränktheit unseresGeistes oder unserer Aufmerksamkeit, in der Unvollkommenheit unsererSinne oder auch derjenigen Werkzeuge haben, deren wir uns bei diesenBeobachtungen bedienen. Was uns, bei dieser Lage der Dinge, übrigbleibt, ist nur, zuzusehen, daß diese an sich unvermeidlichen Fehler soklein werden, als es unter diesen Umständen eben seyn kann, und daßwir uns von dem größtmöglichen Fehler, den wir bei jeder bestimmtenBeobachtung und unter jeden gegebenen Verhältnißen noch begehen kön-nen, eine deutliche Rechenschaft zu geben wißen. Denn nur dann sindwir mit Bestimmtheit anzugeben im Stande, ob eine aus unseren Beob-achtungen abgeleitete Hypothese oder eine darauf erbaute Theorie mit denErscheinungen der Natur, welche wir dadurch darstellen oder erklärenwollen, so weit übereinstimmt, daß wir sie als ein wahres Gesetz derNatur betrachten dürfen.
Wir werden uns daher in dem Folgenden mit der Beschreibung dervorz üglichsten astronomischen Instrumente, und mit der Art, sie zu ge-brauchen, beschäftigen, um dadurch die Leser in den Stand zu setzen, dieMittel, welche man bei jenen Beobachtungen anwendet, näher kennen zulernen, und sich von der hohen Genauigkeit, welche man dabei erreichenkann, gleichsam durch eigene Ansicht zu überzeugen.
H. 162. (Schwierigkeit der Verfertigung genauer Instrumente.) Unterallen unsern mechanischen Künstlern haben es die Berfertiger der astro-nomischen Instrumente wohl am weitesten gebracht, und die Genauig-keit , mit welcher in unseren Tagen diese Werkzeuge gearbeitet werden,kömmt der zum Sprüchworte gewordenen geometrischen Schärfe am nächsten. '