<!28 Andere merkwürdige Folgen d. Störungen d. Planeten. §. 144.
zu betrachten ist. Diese Sonne selbst wieder beschreibt neue Epicykeln,deren Mittelpunkte auf der Bahn liegen, die der Schwerpunkt jenesSternensystems um den gemeinschaftlichen Schwerpunkt eines Aggregatsvon ähnlichen Systemen bildet, und so fort und fort ohne Ende, wiewir annehmen müssen und wie es allein dem selbst unendlichen Urheberder Natur würdig und angemessen gedacht werden kann.
H. 144. (Gegenstände der Untersuchung für künftige Jahrhunderte.) DieAstronomie hat uns die Bewegung der Erde und die Epicykeln kennengelehrt, die der Mond und die übrigen Satelliten um ihre Hauptplane-ten beschreiben. Sie hat uns mit dem Gesetze, dem großen Regulatoraller dieser Bewegungen bekannt gemacht, und sie hat selbst die schein-baren Störungen und Ausnahmen von diesem Gesetze wieder unter dieHerrschaft desselben zurückgeführt. Große Schritte, fürwahr? — Aberwenn es volle sechs Jahrtausende, denn so lange etwa währt unsereMenschengeschichte, gebraucht hat, diese Bewegungen der Planeten undihrer Satelliten zu erkennen, welche Zeit wird erfordert werden, um auchdie Bewegungen der Sonne und die der Fixsterne zu bestimmen? Schonfangen die Beobachtungen an, uns wenigstens die Existenz derselben er-kennen zu lassen. Die sogenannte eigene Bewegung der Fixsternescheint, wenigstens größtentheils, von einer Veränderung des Orts derSonne im Weltraume zu kommen, und die erst seit Kurzem entdecktenBewegungen der doppelten und vielfachen Sterne sind gleichsam die erstenBlicke des menschlichen Geistes jenseits der Gränze unseres Sonnensyste-mes, dessen Eigenschaften und Wunder uns bisher allein beschäftiget haben.
Aber selbst in diesem unserem Systeme, wie viel ist noch übrig, wieviele Arbeiten sind noch zu vollenden, die wir kaum angefangen haben.Die Satelliten Saturns sind uns nur wenig und die des Uranus beinaheganz und gar nicht bekannt. Gibt es nicht jenseits des Uranus oderzwischen Mars und Jupiter noch mehrere Planeten? Die Störungender vier neu entdeckten Planeten, die sie durch Jupiter erleiden, sind sogroß, daß die bisherige Entwicklung der Theorie der Perturbationennicht mehr hinreicht und daß neue Bereicherungen unserer Analyse erfor-dert werden, um die Bewegungen derselben mit der unseren gegenwärti-gen Beobachtungen angemessenen Genauigkeit darzustellen. Auch die sä-culären Störungen der anderen Planeten werden erst in der Folge mitmehr Genauigkeit bestimmt werden, wenn wir zu einer genaueren Kennt-niß der Massen dieser Himmelskörper gelangt sind. Die Theorie der Ge-stalt der Erde erwartet ebenfalls noch wichtige Verbesserungen, und ohneZweifel wird einst ganz Europa mit einem großen Netze von Dreieckenüberzogen seyn, die uns die Lage, Größe und Krümmung eines jedenPunktes dieses Welttheils kennen lehren werden. Zahlreiche und genaueBeobachtungen der Pendellängen an allen Orten der Erde, so wie derEbbe und Fluth an allen Meeresküsten; die Entdeckung neuer und diegenauere Bestimmung schon bekannter Kometen; die Berechnung derStörungen, welche diese Himmelskörper von den Planeten erleiden ; derEinfluß, den die nächsten Fixsterne und vielleicht auch der Aether, indem sich die Himmelskörper bewegen, auf die Planeten ausüben — allediese und noch so viele andere Eigenschaften unseres Sonnensystemesmüssen den Untersuchungen, dem Fleiße und der Einsicht der Nachweltüberlassen bleiben.
Und wenn sie einst diese Arbeiten vollendet haben wird, welche ganzneue Wege der Forschung werden sich ihr erst dann jenseits dieses unse-res Sonnensystemes eröffnen! — Die Bestimmung der Entfernung derFixsterne von einander und von der Sonne; die Bewegung der doppelten